Pünktlich um 17 Uhr fiel am 4.Juni der Startschuss zu der »Nordart 2016«. Wie in jedem Jahr eröffnete der Initiator Hans-Julius Ahlmann, zusammen mit seiner Frau, die Kunstausstellung auf dem Gelände der Karlshütte in Büdelsdorf. Und wie in jedem Jahr präsentieren zahllose Künstler aus den unterschiedlichsten Ländern bis zum 9. Oktober 2016 ihre Werke und machen die Nordart damit zu der größten Ausstellung zeitgenössischer Kunst in Europa.

Unter den Künstlern und Künstlerinnen ist auch in diesem Jahr die serbische Bildhauerin Nevena Vuksanovic, die 2016 mit ihrem Werk »Komodowaran« an den Start geht. Die Skulptur aus Draht, Gewebe und Faserstoff zeigt einen lebensgroßen Komododrachen, eine Großechse, deren Verbreitungsgebiet heute nur noch auf einige der „Kleinen Sundainseln“ von Indonesien beschränkt ist.


»Komodowaran«, Nevena Vuksanovic, Nordart 2016

»Dinosaurier haben mich als Kind ungeheuer fasziniert. Warane sind die letzten lebenden „Drachen“ auf der Welt. Sie sind so elegant und schön in ihren Bewegungen – gleichzeitig aber auch giftig und gefährlich. Das hat mich sehr fasziniert.«

, sagt die Serbin zu der Entstehung ihrer Skulptur, an der sie drei Monate gearbeitet hat. Dabei ist Nevena Vuksanovic auch bei der Nordart kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2014 präsentierte sie in Büdelsdorf die lebensgroße Skulptur eines Geparden. Ihre Ausbildung fing früh an. Nach dem 3ten Jahr im Gymnasium erhielt sie privaten Unterricht für Malerei und Zeichnung. Kurz vor dem Abschluss der Schule für Grafikdesign entdeckte einer der Professoren ihr Talent für die Bildhauerei. Daraufhin schrieb sie sich 2007 an der Universität der Künste in Belgrad für Skulptur ein und machte dort ihr Masterstudium. Bereits dreimal wurde sie von der Kommune Savski Venac in Belgrad mit dem Skulpturenpreis ausgezeichnet. Neben der »Nordart« in Büdelsdorf konnte man ihre Werke auch schon auf Ausstellungen in Abu Dhabi und Osteuropa bewundern.

»Meine Familie hat mich bei all meinen Ideen und auch meiner Ausbildung sehr unterstützt. Ohne dem ginge es auch gar nicht. Die Bildhauerei ist aber auch das, was ich liebe und wirklich gut kann – etwas anderes kann ich mir wirklich nicht vorstellen.

Anders als in Deutschland, hat »Kunst« in der serbischen Heimat von Nevena Vuksanovic einen höheren Stellenwert bei jungen Menschen. Dies obwohl die wirtschaftlichen Verhältnisse in Serbien ungleich schwieriger sind. Serbien leidet seit Jahren massiv unter Kollateralschäden der Euro-Krise, die Wirtschaft schrumpft, jeder Vierte arbeitsfähige Serbe sucht einen Job und die Inflation erreicht bald zehn Prozent. Vor einem solchen Hintergrund wirkt die Liebe, mit der sich Vuksanovic seit nunmehr drei Jahren hauptberuflich ihrem Schaffen widmet, sehr rührend und verdient gleichfalls großen Respekt. Deutschland böte jungen Künstlern einen weitaus weniger steinigen Weg. Die Nordart ist für die junge Künstlerin selbstverständlich eine hervorragende Möglichkeit sich zu präsentieren. Auch ihr ist es allerdings aufgefallen, dass das Durchschnittsalter der Besucher bei der Eröffnung vergleichsweise hoch ist. Sie scherzt:

»Das wäre in Belgrad völlig unmöglich. Dort wären bei so einer Ausstellung viel mehr junge Menschen.«

Trotz der schwierigen Situation in ihrem Land denkt die Serbin nicht daran, ihre Heimat zu verlassen:

»Es ist natürlich toll, wenn die Kunst mir die Möglichkeit gibt zu reisen und andere Orte zu sehen. Woanders leben möchte ich allerdings nicht. Nach den Reisen kehre ich nach Belgrad zurück. Dort ist mein Zuhause, meine Familie – mein Herz hängt an Belgrad.«

Nach einem sechswöchigen Aufenthalt in Büdelsdorf ist Nevena nun auch wieder zuhause in ihrer Heimat. Mit ein bißchen Glück sehen wir sie am 17.09. zu der Veranstaltung »Lange Nacht der Lichter« auf dem Gelände der Karlshütte wieder. An dem Tag werden die Publikumspreise verliehen. Die Skulptur ihres beeindruckenden »Komodowaran« wird noch bis zum 9. Oktober auf der Nordart zu bestaunen sein – und hätte, unserer Meinung nach, einen der begehrten Nordart-Preise verdient, da die Skulptur das Wesen, die Vergangenheit und auch die Gegenwart der talentierten Bildhauerin wundervoll dokumentiert und repräsentiert.

von
Michael Schwarz – 05.06.2016