Chemtrails vergiften die Menschen und die Erde ist eine Scheibe: Fake News haben mittels Sozialer Medien Hochkonjunktur. Gerade Journalisten stehen vor der schweren Aufgabe, diese zu entlarven. Wie aber funktioniert das? Ein Überblick.

Was sind Fake News?

Fake News werden Nachrichten genannt, die in voller Absicht des Urhebers Unwahrheiten verbreiten. Dies kann zweierlei Zweck verfolgen. Entweder versuchen die Verfasser, damit Geld zu verdienen oder sie verfolgen manipulative Interessen. Fake News enthalten meist einen wahren Kern, der durch Verfälschung oder Dekontextualisierung aber andere Fakten suggeriert.

Claire Wardle von firstdraftnews.com, deren Betreiber News auf deren Echtheit hin prüfen, hat Fake News in sieben Kategorien unterteilt:
– Satire oder Parodie (irreführend, aber nicht mit dem Ziel, Schaden anzurichten)
– Irreführende Inhalte (zum Zweck, jemanden etwas „anhängen“ zu wollen)
– Betrügerische Inhalte (Quellen, die vorgeben, authentisch zu sein.)
– Erfundene Inhalte (sollen Schaden verursachen)
– Falsche Verknüpfungen (Überschriften oder Bildlegenden stimmen nicht mit Inhalt überein.)
– Falsche Zusammenhänge (authentische Inhalte, mit falscher Kontextualisierung zu Inhalten)
– Überarbeitete Inhalte (Überarbeitete Bilder oder Inhalte zum Zweck der Täuschung)

Wie verbreiten sich Fake News?

Beispielsweise via „Facebook“, „Twitter“ oder Google usw. können sich Fake News rasend schnell verbreiten. Ein Klick reicht. Da sie meist im Mantel einer seriösen Nachricht daherkommen, sind sie vom Empfänger nicht unmittelbar als Fake News zu erkennen. Häufiges „Opfer“ von Fake News werden User, die sich erstmals zu einem bestimmten Thema informieren wollen. Die User suchen danach meist nach weiteren Nachrichten im Netz, die diese erste Nachricht bestätigen sollen. Dadurch manifestiert sich, die durch die Fake News entstandene erste Meinung.

Wer verbreitet Fake News?

Theoretisch kann jeder Fake News verbreiten. Es gibt aber eine ganze Branche an Dienstleistern, die im Darknet Fake-News-Kampagnen gegen Bezahlung anbieten. Solche Anbieter greifen häufig auf spezielle Programme oder Social Bots zurück, um Kampagnen zu lancieren. Social Bots generieren automatische Antworten wie Tweets zu bestimmten Themen. Die eigentlichen Verbeiter aber sind die User selbst, die die News aus vermeintlich vertrauenswürdigen Quellen ungeprüft teilen.

Wie können Fake News entlarvt werden?

Journalisten stehen vor der großen Herausforderung in eine schnelllebigen Nachrichtenwelt Fakten von Fake unterscheiden zu müssen. Vanessa Freudrich leitet den Recherche-Bereich der Abteilung Dokumentation und Archiv bei einem Rundfunksender. Sie konstatiert eine stärkere Präsenz an gefälschten Nachrichtenbildern oder visuellen Inhalten, die nicht mit dem Ereignis in Verbindung stehen. „Für die Überprüfung gibt es aber leicht zu bedienende Tools“, sagt sie. Häufig reiche sogar eine einfache Recherche bei „Youtube“ oder „Google“.

Sie empfiehlt, jeweils drei Dinge zu überprüfen: Quelle, Zeitpunkt und Ort. „Bei der Quelle hilft eine Analyse des Account, der den Inhalt veröffentlicht hat. Oft ist allerdings eine direkte Kontaktaufnahme bereits zielführend. Beim Zeitpunkt helfen beispielsweise Metadaten in den Bildern (Zeitpunkt der Aufnahme), andere Social Media-Inhalte, Zweit- und Drittquellen. Beim Ort helfen Vergleiche mit Google Maps, Satellitenaufnahmen und geolokalisierten Bildern von Touristen“, erklärt er.

Welchen Schaden richten Fake News an?

Freudrich kritisiert vor allem die inflationäre Verwendung des Begriffes Fake News in der Politik. „Gerade in aktuellen politischen Debatten werden unterschiedliche Interpretationen und Meinungen vom politischen Gegner fälschlicherweise als Fake News etikettiert. So entsteht der Eindruck einer Lüge, was überhaupt nicht der Fall ist.“ Die Folge: Wachsende Zweifel der Menschen an der Politik und am Journalismus gleichermaßen.

Was waren bekannte Fake-News-Kampagnen?

Im US-Wahlkampf 2016, im Vorfeld der Brexit-Abstimmung und der französischen Präsidentschaftswahlen sind gezielt Kampagnen über die sozialen Netzwerke lanciert worden. So wurde 2016 kolportiert, die damalige demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sei Teil eines Pädophilenrings, der von einer Pizzeria in Washington D.C. aus operiere. Ursprung waren auf Wikileaks publizierte Mails von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta, deren Inhalte fälschlicherweise umgedeutet worden. Über den Social-News-Aggregator „reddit“ wurde die Meldung in den sozialen Kanälen gestreut und laut CNN millionenfach gelesen.

Ein weitere bekannte Fake-News-Kampagne ist Schweizer Ursprungs. 2016 machten Videos von nächtlichen Gokart-Rennen in Zürich die Runde. Viele Medien sprangen auf die Story an. Zu gut war sie, die illegalen Gokart-Fahrer wurden vermeintlich sogar vom Blitzkasten erwischt, wie ein Video suggeriert – eben suggeriert. Nicht nur der Blitzkasten, sondern alle Videos waren Teil einer Bachelor-Arbeit zweier Studenten der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK).

Was kann unternommen werden?

Der Ruf nach politischen Regelungen ist laut – und wird erhört. Deutschland hat beispielsweise Ende Juni ein Gesetz beschlossen, nach dem die Betreiber sozialer Netzwerke offensichtlich strafbare Inhalte innerhalb von 24 Stunden nach Eingang der Beschwerde löschen müssen.

Viele stehen politischen Kontrollen eher skeptisch gegenüber, denn „soziale Medien lassen sich nicht kontrollieren“, glauben Experten. Alternativ plädieren Fachleute für mehr Vermittlung von Medienkompetenz beispielsweise an Schulen – vor allem aber muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass nicht alles sofort geteilt werden muss!

von

Günter Schwarz – 07.07.2017