Halløjsa – er du ok?

Hamburgs G20-Gipfel hat in den letzten Tagen Bilder geliefert, die man so schnell nicht vergisst. Randalierende Vollidioten marodieren durch die Straßen, plündern Geschäfte, zünden Autos an und liefern sich eine Straßenschlacht mit der Polizei. Schrecklich. Grandios und leider genau die Sorte Protest, die Änderungen bewirkt – für die Deutschland aber so gänzlich ungeeignet ist, bzw. die in Deutschland (noch) nicht funktioniert. Das liegt an den Protestanten und natürlich auch an der Bevölkerung.

Schon im Vorfeld des G20 wurde in Hamburg überdeutlich, dass viele Hamburger überhaupt keinen Bock auf die Veranstaltung hatten. Überall in der Stadt und an vielen Geschäften sah man „Fuck G20“ oder „NO G20“ Plakate. Auf der anderen Seite ein eher selbstgefälliger Senat, der breitbeinig erklärt, wie sicher der G20-Gipfel ablaufen wird. Auch die Polizei setzt dabei auf Dialog und Bürgernähe. Mir sind viele Posts in den sozialen Medien aufgefallen, in denen die Polizei liebe Kolleg/innen aus anderen Bundesländern vorstellen, die sich alle riesig auf diesen Gipfel und die Zusammenarbeit freuen. Jedem Social-Media-Hipster fällt auf, dass diese Polizisten Menschen wie du und ich sind. Nette Leute also… niemand, den man mit Steinen bewerfen wollte.

Dann kommt die unsagbare Dekadenz der „Herrschenden“: Ein saudischer Verbrecherkönig, der ein komplettes Nobel-Hotel mietet, mit einer goldenen Rolltreppe anreist und sogar irgendwie Kamele im Gepäck hat. Dazu der Menschenrechtler Erdogan … und natürlich der tolle Typ aus Washington, für den der Senat das Gästehaus gern bereitstellt. Protest gegen solche Gestalten hat meine größte Sympathie! Ganz ähnlich sahen das auch die Hamburger, die sich noch ganz breit aufgestellt mit den Demonstranten solidarisieren, als die Polizei Zeltplätze räumen lässt und das Schauspielhaus und viele Kirchen Übernachtungsplätze zur Verfügung stellen. Da war der Protest noch in Ordnung.

Die Sympathie schlägt um, als Demonstranten in der Nacht zu Freitag randalieren und viele private PKWs in Brand setzen. Also nicht eine Luxuslimousine vom Prinzen von Zamunda, sondern Max Mustermann sein VW, den er immer noch am abbezahlen is’ von seinem Niedriglohn! Genau an diesem Punkt kippt der Rückhalt in der Bevölkerung. Das merken die gehirnamputierten Demonstranten nur nicht – die randalieren fröhlich weiter. Gegen den Kapitalismus werden dann Second-Hand-Babyläden abgefackelt oder eben Kleinwagen von irgendwelchen armen Familien. Die Quittung kommt denn am Samstag, wo sämtliche Anwohner (das Volk) auf die Linksradikalen schimpfen und die Einsatzkräfte der Polizei mit Kaffee und Keksen versorgen. Genau da liegt der Hase nämlich im Pfeffer, Genossen.

Als im Dezember 2013 und Januar 2014 in der ukrainischen Hauptstadt Kyiv die Barrikaden brannten, gab es auch Kaffee und Kekse. Allerdings nicht für die Polizei, sondern für die Demonstranten. Dort hatte sich die Bevölkerung mit den Demonstranten solidarisiert, die zwar nicht minder gewalttätig waren – nur eben nicht gegen die Bevölkerung, sondern „nur“ gegen die Polizei und Sondereinheiten der Regierung. SO geht Protest. Und damit auch der Tipp an linksradiakale Antifa-Tröten: ihr könnt keine Revolution machen, wenn ihr Max Mustermann sein Auto abfackelt. Ihr BRAUCHT diesen Max … damit er euch am nächsten Morgen Kekse bringt! Ihr müsst mal drauf achten. Bei solchen gewalttätigen Protesten gewinnt immer der, der am nächsten Tag Gebäck oder Süppchen von der Bevölkerung bekommt.

Obwohl ich Gewalt verabscheue und auch diese Auswüchse an der Schanze mehr als scheiße finde, sollte man sich allerdings die Frage stellen, warum Veränderungen nur dann möglich sind, wenn solche gewalttätigen Proteste vorausgehen. Der Oberbürgermeister wird nun aufgefordert zurückzutreten. Also dieser selbstgefällige Typ, der da noch fett rumgetönt hat, wie toll doch der G20 nach Hamburg gehört. Meint jemand, dass so eine Veränderung zustande käme, wenn da 3000 Demonstranten ganz friedlich mit rosa Plüsch-Einhörnern im Arm durch die Stadt bummeln? Meint ihr, dass man 2014 in der Ukraine die Regierung hätte stürzen können, wenn die Demonstranten am Maidan `ne Lichterkette gemacht hätten?

Warum ist das so? Warum sind es nur diese Gewaltausbrüche, die etwas anstubbsen? Warum lassen wir uns von einer Bande Arschlöcher regieren, die erst dann auf unseren Protest reagieren, wenn ganze Straßenzüge in Schutt und Asche liegen?

Jow … schon scheiße, ne?

Nu kiek mol ni so kloog!