Das Soziale Netzwerk Facebook hat in der Vergangenheit seinen Anzeigenkunden ermöglicht, gezielt Antisemiten anzusprechen. Laut einem Bericht des US-Portals „ProPublica“ konnten für die Vermarktung von Nazi-Andenken und die Werbung für rechtsradikale Veranstaltungen die Zielgruppe „Judenhasser“ ausgewählt werden.

Kategorie nach Veröffentlichung entfernt

Facebook entfernte die Werbekategorie, nachdem „ProPublica“ seine Recherchen vorgelegt hatte. Die Zielgruppe beruhte auf Angaben, die die Facebook-Anwender über sich selbst machen, etwa über Bildungsweg, Alter und Weltanschauung.

„Wir entfernen diese durch die Anwender selbst angegebene Zielgruppe, bis wir über die richtigen Prozesse verfügen, um dieses Problem zu vermeiden“, so das Unternehmen. Die Richtlinien von Facebook untersagten strikt, Menschen wegen ihrer Eigenschaften zu attackieren. Dazu zähle auch die Zugehörigkeit zu einer Religionsgruppe. „Dennoch tauchen immer wieder Inhalte auf, die unsere Standards verletzen. Wir wissen, dass wir noch eine Menge Arbeit vor uns haben.“

Kritik auch an Rolle in US-Wahlkampf

In der vergangenen Woche musste Facebook einräumen, dass seine Werbeplattform im US-Wahlkampf 2016 für politische Anzeigen von „nicht authentischen“ Accounts missbraucht wurde, die mit Russland in Verbindung stehen.

Bei Facebook kann man gezielt Werbung für eine Auswahl aus Tausenden Kategorien schalten – neben Geschlecht, Alter, Wohnort können das zum Beispiel auch Interessen und Sprachen sein. ProPublica schaltete im Rahmen der Recherchen selbst drei Anzeigen, die sich an Antisemiten richteten. Die Werbeschaltungen seien von dem Facebook-System innerhalb von 15 Minuten akzeptiert worden.

von

Günter Schwarz – 15.09.2017