Entlang der gesamten deutsch-dänischen Grenze finden sich die großen Grenzhändler. Aufgrund der niedrigeren Mehrwertsteuer ist Deutschland ein beliebtes Einkaufsziel für viele Dänen, und das Angebot in den sogenannten „Grenzshops“ ist von daher dem skandinavischen Markt weitgehend angepasst.

Der grenznahe Einzelhandel auf dänischer Seite der Grenze ist nicht sehr glücklich über diesen Handel und den „Einkaufstourismus“ nach Deutschland, um sich dort mit Alkohol, Süßigkeiten und anderen Waren des täglichen Bedarfs einzudecken, weil die deutschen Abgaben auf derartige Waren wesentlich geringer als nördlich der Grenze sind. Jetzt haben sich fünf dänische Organisationen mit dem Ziel zusammengetan, die Politiker für die Problematik des Grenzhandels zu sensibilisieren.

Ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen möchte erneut die Politiker auf den Grenzhandel aufmerksam machen. Es sind der Verband des ländlichen Raums (Landdistrikternes Fællesråd), der Verband der kleinen Supermärkte (Nærbutikkernes Landsforening), der Wirtschaftsverband Dansk Erhverv, der Verband der selbstständigen Kaufmänner (De Samvirkende Købmænd) und der dänische Spirituosenhandel, die den Grenzhandel als ein großes Problem für die kleineren Märkte im ländlichen Raum betrachten, wo es ohnehin schon schwer ist, wirtschaftlich zu überleben.

Sowie dort die kleinen Geschäfte schließen, wird der ganzen örtlichen Gemeinschaft eine Lebensader genommen, und sie wird enorm geschwächt“, sagt der Vorsitzende des Gemeinschaftsrates der Landdistrikte, Steffen Damsgaard. Er und die vier anderen Organisationen haben gemeinsam einen Bericht verfasst, der die Konsequenzen des wachsenden Grenzhandels für den dänischen Einzelhandel auflistet.

„Mit diesem Bericht wollen wir zeigen, dass der Einzelhandel in Jylland und auch auf Sjælland die negativen Konsequenzen des Grenzhandels besonders zu spüren bekommen“, sagt der Direktor des Verbandes der selbstständigen Kaufleute, John Wagner.

Der Grenzhandel hat nicht nur negative Konsequenzen für die dänische Wirtschaft, sondern auch für die Mitarbeiter, das Klima und die Verbraucher selbst, meint die Arbeitsgemeinschaft des Handels. Sie fordern nun die Politiker auf, aktiv zu werden und die Abgaben für die Waren zu senken, die im Grenzhandel gut verkauft werden. Dieses würde viele Probleme des lokal Einzelhandels lösen, argumentieren die Organisationen.

„Täglich kauft der Däne für 25 Millionen Kronen (3,36 Millionen Euro) südlich der Grenze ein. Das ist eine Summe, die den dänischen Einzelhändlern jeden Tag entgeht – nur, weil die dänischen Abgaben höher als die deutschen sind“, sagt der Vorsitzender des dänischen Spirituosenhandels, Michael Holm. Er fordert bei der kommenden Haushaltsverhandlung eine Senkung der Steuern für Alkohol und Süßwaren, die den größtmöglichen Grenzhandel nach Dänemark verlegen könnte.

Der Bericht des Einzelhandels wird am heutigen Dienstag den Politikern des Folketings in Christiansborg unterbreitet.

von
Günter Schwarz – 19.09.2017