(Puch) – Zu einem tragischen Unfall ist es am Mittwochvormittag auf einem Bahnsteig des Bahnhofes Puch bei Hallein in der österreichischen Ferienregion Tennengau im Salzburgerland gekommen. Der Sog eines durchfahrenden Güterzuges wirbelte einen Kinderwagen in die Luft und schleuderte das darin befindliche, einjährige Kleinkind aus dem Buggy auf den Bahnsteig. Das Mädchen ist am Nachmittag seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Die von dem tödlichen Bahnunfall in Puch betroffene Mutter dürfte beim Unfall nicht zu nah am Gleis gewesen sein. Das zeigen Bilder einer Überwachungskamera, wie die Polizei mitteilte.

Am Bahnhof Puch hatte am Mittwoch der Luftsog eines vorbeifahrenden Güterzugs einen Kinderwagen umgerissen. Das Kind wurde aus dem Wagen hinausgeschleudert und tödlich verletzt. Der Besitzer eines Lokales, das an das Gelände des Bahnhofes angrenzt, stellte den Ermittlern eine Videoaufnahme zur Verfügung. Die Polizei selbst hat am Bahnhof Puch keine Kamera installiert, ebenso nicht die österreichische Staatsbahn ÖBB.

Auf den Bildern sei der Unfallhergang recht deutlich zu erkennen, sagte Polizeisprecher Hans Wolfgruber. „Dabei ist grob ersichtlich, dass die Mutter mit dem Sohn auf einer Bank saß und den Kinderwagen bei sich hatte. Dann erhebt sich der Sohn von der Bank, die Mutter wendet sich ihm zu. Ausgerechnet in diesem Moment passiert der Zug den Bahnhof und entfaltet seine Sogwirkung.“

Kinderwagen: War die Bremse festgestellt?

Nach der Auswertung des Videomaterials schilderte der Polizeisprecher, dass der Kinderwagen durch die Luft gewirbelt worden sein könnte und eventuell auch den Zug berührt haben könnte. „Das ist aber noch Gegenstand der Ermittlungen – ebenso wie die Frage, ob die Mutter den Kinderwagen zum Unfallzeitpunkt festgehalten hat oder nicht. Jedenfalls dürfte die Mutter nicht zu nah am Gleiskörper gewesen sein und den Abstand gewahrt haben“, so Wolfgruber.

Die Mutter war am Mittwoch mit einem Geschwister-Buggy auf drei Rädern unterwegs. In dem Modell können zwei Kinder nebeneinandersitzen. Ob das Mädchen zum Zeitpunkt des Unfalles angeschnallt war und ob der Wagen mit einer Bremse festgestellt war, muss noch ermittelt werden.

Rechtzeitige Ankündigung auf durchfahrenden Zug

Laut ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair erfolgte die verpflichtende Durchsage, dass ein Zug durchfährt. Für Reisende am betroffenen Bahnsteig eins lautete die Durchsage zum Unfallzeitpunkt: „Achtung Bahnsteig eins – Zug fährt durch – halten Sie bitte Ihre Gegenstände fest.“

100 km/h für Güterzüge in Puch erlaubt

Die Höchstgeschwindigkeit für Güterzüge beträgt laut ÖBB 100 km/h. Je nach Gegebenheiten bei den Bahnhöfen dürfen Güterzüge auch mit der Maximalgeschwindigkeit Haltestellen passieren. Am Bahnhof Puch bei Hallein sind 100 km/h erlaubt. Wie schnell der Lokführer am Mittwoch unterwegs war, stand am Donnerstag noch nicht fest. Der Mann muss zu dem Unfall erst befragt werden. Die Ermittler erhoffen sich auch neue Erkenntnisse aus den aufgezeichneten Zugdaten.

ÖBB-Sprecher Gasser-Mair wollte am Donnerstag nicht thematisieren, ob die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h für durchfahrende Güterzüge bei Bahnhöfen zu hoch ist und künftig aus Sicherheitsgründen reduziert werden sollte. „Für uns steht nicht die Geschwindigkeitsdiskussion im Vordergrund, sondern die Klärung der Unfallursache. Wir sind sehr betroffen von dem Vorfall und möchten der Familie unsere Anteilnahme ausdrücken“, sagte Gasser-Mair. Unmittelbare Konsequenzen werden nicht aus dem Unfall gezogen.

Mutter konnte noch nicht befragt werden

24 Stunden nach dem tragischen Unfall war die Einvernahme der Mutter noch nicht möglich. Ihr ein Jahr altes Mädchen ist wenige Stunden nach dem Unfall im Krankenhaus verstorben.

von

Günter Schwarz – 05.10.2017