Ab dem heutigen Samstagmittag Punkt 12 Uhr dürfen in Dänemark die Parteien ihre Plakate für die Regions- und Kommunalwahl am 21. November aufhängen. Im grenznahen Syddanmark standen zahlreiche Mitglieder der politischen Parteien und ihre Helfer schon am Vormittag in den Startlöchern. Allerdings verschieben einige Parteien wegen des angekündigten Sturmes in einigen Orten ihre Plakat-Werbefeldzüge.

Ein Blick in die Augen der Kandidaten, die ihr Gebiss mit einer blendend weißen Zahnpasta bearbeitet haben – ab heute werden wieder nur glückliche Gesichter die Pfähle der Laternenmasten zieren! Das Erscheinungsbild ist von großer Bedeutung für die Anzahl der Stimmen, die ein Kandidat erhält.

Lasse Laustsen ist Professor an der Universität Aarhus und hat Forschungen angestellt, die er als „gewinnende Gesichter“ bezeichnet: „Die Forschung zeigt, dass wir einfach eher einen Kandidaten unsere Stimme geben, der in unseren Augen attraktiv ist. Aber natürlich gibt es auch Schatten in der Wirkung des Auftretens eines Politikers. So erhalten nicht nur attraktive Kandidaten mehr Stimmen, sondern auch Kandidaten, deren Auftreten Kompetenzen ausstrahlt.“

Aber es gibt einen Unterschied zwischen dem, was die Wähler als kompetent oder gewinnend empfinden, betont Lasse Lausten: „Abgesehen von den allgemeinen Effekten, attraktiv und kompetent zu wirken, gibt es auch Effekte, die dominanter oder aufgeschlossener wirken. Und das wirkt besonders unter den rechten Wählern. Im linken Flügel wird eine solche Erscheinung die Wähler eher davon abhalten, für einen deratigen Politiker zu stimmen.“

Doch sicher werden in einigen Kommunen Dänemarks heute und morgen noch kaum Wahlplakate zu sehen sein, und der Grund dafür ist der angekündigte Sturm „Ingolf“, der für den heutigen Abend und während der Nacht angekündigt ist. „Ich würde empfehlen, dass man die Plakate richtig gut festzurrt. Wenn man nah an der Küste in Vestjylland, Nordsjælland oder Nordjylland ist, sollte man vielleicht bis Sonntagnachmittag warten, die Wahlplakate aufzuhängen“, sagt Bolette Brødsgaard vom DMI, dem dänischen Meteorologischen Institut.

„Die Wahlplakate sind aus fester Pappe gemacht und können beo Sturm sehr gefährlich werden, wenn sie durch die Gegend fliegen“, sagt sie. Normalerweise werden die Plakate sehr schnell nach dem Stichtermin, dieses Mal um 12 Uhr mittags, aufgehängt. Die Parteien liefern sich wie üblich regelrechte Wettrennen um die besten und sichtbarsten Orte.

Die Sozialdemokraten in Lemvig am südlichen Ufer des Limfjords haben bereits bekanntgegeben, das Aufhängen zu verschieben – aus Sicherheitsgründen, sagt der Ortsvorsitzende Ivan Møller Sørensen. „Wenn du oben auf einer Leiter stehst und herunter geweht wirst oder wenn die Plakate auf die Straßen fliegen und Autos treffen, ist das unverantwortlich“, sagt er.

Er und seine Helfer wollen am Sonntagvormittag loslegen. „So wie ich es höre, gibt es nicht viele, die heute ihre Plakate aufhängen. Deshalb glaube ich nicht, dass das viel bedeuten wird. Das hoffe ich zumindest“, sagt er.

In Odsherred in Nordsjælland haben sich Venstre und Sozialdemokraten koordiniert. Aufgehängt wird trotz des Wetters – da sich beide Gruppen darauf einigten, dass das Wetter am Sonnabend wohl besser aussieht als am Sonntag.

von

Günter Schwarz – 28.10.2017