(Manila / Đà Nẵng) – Der populistisch regierende philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat bei einem Besuch im Rahmen des APEC-Gipfels in Vietnam mit seiner angeblich kriminellen Vergangenheit geprahlt und einer ranghohen UNO-Vertreterin mit Schlägen gedroht. Duterte hält sich in Vietnam anlässlich des Gipfels der Pazifik-Anrainer-Staaten der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) auf, an dem auch US-Präsident Donald Trump, der russische Präsident Putin und der chinesische Staatschef Xi Jinping teilnehmen.

Auf den Philippinen ist Duterte vor allem wegen seines harten Vorgehens gegen mutmaßliche Drogenkriminelle umstritten. Die UNO-Sonderberichterstatterin für außergerichtliche Tötungen, Agnes Callamard, hatte ihn wiederholt für seinen Drogenkrieg kritisiert, was Duterte vor Vertretern der philippinischen Gemeinschaft in der vietnamesischen Stadt Đà Nẵng veranlasste zu sagen: „Als Jugendlicher, bin ich im Gefängnis ein- und ausgegangen. Mit 16 habe ich jemanden getötet. Einen Menschen, wirklich. Während eines Kampfs. Erstochen. Das war als ich 16 war und nur weil wir uns angesehen hatten. Und aus mir ist jetzt ein Präsident geworden.“

Außerdem berichtete er, als Student der Rechtswissenschaften auf einen Kommilitonen geschossen zu haben. In seiner Rede in Đà Nẵng drohte der 72-jährige Staatschef der UNO-Sonderberichterstatterin Agnes Callamard für außergerichtliche Tötungen offen mit Gewalt. Er werde Agnes Callamard „vor euren Augen schlagen“, prahlte er. „Warum? Weil du mich beleidigst.“ Dutertes Mitarbeiter waren in der Vergangenheit stets bemüht, die Äußerungen des Staatschefs zu relativieren. Der Präsident neige zu übertriebenen Darstellungen, heißt es immer wieder aus seinem Umfeld.

Den „Bock zum Gärtner“ aber machte Duterte sicherlich mit einem Vorschlag, über den der US-Nachrichtensender CNN berichtete, denn CNN zufolge rief der Präsident in Đà Nẵng zugleich dazu auf, einen weltweiten Menschenrechtsgipfel zu organisieren. „Lasst uns alle Menschenrechtsverletzungen sämtlicher Regierungen untersuchen“, sagte er vor Journalisten. Er selbst biete sich als Berater anderer Staatschefs zu diesem Thema an.

Seit seinem Amtsantritt am 15. Juni 2016 wurden mindestens rund 4.000 mutmaßliche Drogendealer von der Polizei ohne jegliche rechtliche Grundlage wie einer staatsanwaltlichen Ermittlung oder eines Gerichtsurteils auf Anordnung des „Präsidenten“ ermordet. Immer wieder gibt es Vorwürfe, dass das Vorgehen auch Unschuldige trifft.

Duterte hatte sich bereits im vergangenen Jahr damit gebrüstet, in seiner Zeit als Bürgermeister der Großstadt Davao im Süden des Landes auf der Insel Mindanao zwischen 1988 und 1998 der Kriminalität verdächtigte Personen eigenhändig erschossen zu haben.

Am morgigen Sonntag wird Duterte US-Präsident Donald Trump in Manila empfangen, der dort an einem Gipfel der Gemeinschaft Südostasiatischer Staaten (Asean) teilnehmen wird, womit dann die beiden richtigen „Großmäuler“ zusammenkommen und sich trefflich über ihre „Heldentaten“ austauschen können – es fehlt nur der „kleine Dicke“, Kim Jong Un, aus Nordkorea, um eine Skatrunde zusammen zu haben!

Mit dem russischen Präsidenten Putin traf Duterte zu einem sogenannten bilateralren Gespräch bereits am Freitag in Đà Nẵng zusammen.

von

Günter Schwarz – 11.11.2017