(Lübeck) – Ein ganz besonderer Theaterabend von Pitholzwarth steht dem Lübecker Theater morge am Sonntag, den 26. November 2017, um 18:00 Uhr unter Verwendung von Szenen von Renato Grünig und Pit Holzwarth bevor.

Die „erste Boygroup der Welt“ imitiert – in einer Stimme, in einem Gesangskörper – ein ganzes Orchester! Doch wer hat das Sagen im Kollektiv? Schauspieldirektor Pit Holzwarth, Autor und Regisseur der ersten Theaterfassung vom spektakulären Aufstieg der Comedian Harmonists und ihrer niederschmetternden Auflösung, widmet sich erneut dem legendären Kollektiv und seinen Dissonanzen.

Die Spannungen in der Gruppe verstärken sich durch den politischen Druck von außen: Den Nazis waren die Ironie, das Unheldenhafte und Androgyne der eleganten Herren unerträglich. Für Holzwarth und die Nachwelt bleiben ihre grandiosen Evergreens wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Veronika“ unerreicht.

Die Goldenen Zwanziger in Berlin: Der Schauspielschüler Harry Frommermann schreibt Partituren für eine noch nicht existierende Gesangsgruppe und annonciert: „Achtung. Selten. Berufsanfänger, nicht über 25, sehr musikalisch, schönklingende Stimmen, für einzig dastehendes Ensemble gesucht.“ Aus der Schar arbeitssuchender Künstler engagiert er den Bass Robert Biberti, dieser empfiehlt den bulgarischen Tenor Ari Leschnikoff. Es folgt Bariton Roman Cycowski, Erwin Bootz übernimmt das Piano, dessen Kommilitone Erich A. Collin wird zweiter Tenor.

Anfang 1928 beginnen sie zu proben: Der Klang der Leichtigkeit ist harte, lange Arbeit! Im Sommer nimmt der Berliner Revuekönig Erik Charell die Musiker unter Vertrag – als Comedian Harmonists. Im Herbst treten sie zum ersten Mal auf, weitere Engagements in Berlin und anderen deutschen Städten folgen. Rundfunk und Schallplatten verhelfen den jungen, gut aussehenden Männern rasch zu Erfolg – sie sind Popstars! Das Publikum rast, spendet frenetischen Applaus und hingerissene Fans erwarten sie überall. Die „Beatles der 30er Jahre“ verkaufen Alben und werden nicht nur in Deutschland gefeiert.

Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 werden Konzerte abgesagt, drei der Mitglieder sind jüdisch, anders: nichtarisch! Frommermann, Cycowski und Collin werden 1935 aus diesem Grund nicht in die Reichsmusikkammer aufgenommen und verlieren somit das Recht auf Berufsausübung. Am 1. März 1935 kommen die Comedian Harmonists trotz des Verbots für eine letzte gemeinsame Aufnahme zusammen, danach spaltet sich die Gruppe auf und kommt auch nie wieder zusammen.

Besetzung

Leitung:

–  Inszenierung: Pit Holzwarth
–  Ausstattung: Werner Brenner
–  Musikalische Leitung: Willy Daum
–  Choreographie: Dirk Witthuhn
–  Gesangscoach:Turandoch von Arnim

Mit:

–  Roman J. Cycowski – Andreas Hutzel
–  Ari Leschnikoff – Johann Morit  von Cube
–  Robert Biberti – Henning Sembritzki
–  Erich A. Collin – Tom Semmler
–  Erwin Bootz – Will Workman
–  Harry Frommermann / Akustiker – Johannes Merz
–  Der Doktor / Bruno Levy / Conférencier / Fischer-Maretzki / Reporter / Garderobier / Theaterdirektor / Sprecher

Vorstellungsdauer ca. 2 Stunden, 55 Minuten (eine Pause) – Eintritt: 44,00 Euro

Die nächsten Termine:

–  Sonntag, den 26.11.2017, um 18:00 Uhr – Großes Haus
–  Mittwoch, den 13.12.2017, um 19:30 Uhr – Großes Haus
–  Samstag, den 30.12.2017, um 19:30 Uhr – Großes Haus

von

Günter Schwarz – 25.11.2017