Die drei inhaftierten dänischen Sozialistenführer Louis Pio, Harald Brix und Poul Geleff werden am 08. April 1875 nach fast zwei Jahren Haft vorzeitig aus der Haftanstalt Vridsløselille im Vorort Københavns, Albertslund, entlassen und auf freien Fuß gesetzt.

Im Oktober 1871 gründeten Paul Geleff, Louis Pio und Harald Brix die dänische Partei der „Socialdemokraterne“ (Sozialdemokraten) anfangs unter dem Namen „Den internationale Arbejderforening for Danmark“ (Internationale Arbeitervereinigung für Dänemark). Bereits ein paar Monate später hatte sie 9.000 Mitglieder, davon 5.000 in København als Abteilung der Ersten Internationalen.

Die polemischen Angriffe der Arbeiterführer gegen die Behörden und das Großbürgertum verstärkten sich. Am 4. Mai 1872 wurde sie verhaftet, als sie eine verbotene Arbeiterversammlung zum 05. Mai nicht absagen wollten, zu der die Arbeiterführer zuvor mit dem Artikel „Målet er fuldt“ (Das Maß ist voll) aufgerufen hatten. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Arbeitern wurden als „Slaget på Fælleden“ (Schlacht auf der Allmende) bekannt. Im März 1873 wurden Geleff, Pio und Brix zunächst zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde doch in letzter Instanz im August 1873 vom Höchsten Gericht auf drei Jahre herabgesetzt. Am 08. April 1875 wurden die drei dann begnadigt und konnten das Gefängnus verlassen.

1877 emigrierte Geleff zusammen mit Pio in die USA. Dort kam es schnell zum Bruch mit Pio, über den er 1877 eine selbstironische Schrift mit dem Titel „Den rene, skære Sandhed om Louis Pio og mig selv“ (Die reine, pure Wahrheit über Louis Pio und mich selbst) veröffentlichte. In dem Buch enthüllte er, dass Pio und er von der dänischen Polizei bedroht und bestochen wurden, um Dänemark zu verlassen. Dieses Verhalten der beiden Sozialistenführer wurde von den Genossen daheim als Verrat gewertet.

Geleff kehrte erst 1920 auf Bitten der Sozialdemokraten wieder nach Dänemark zurück. Er erhielt für den Rest seiner Tage eine Parteirente. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Nyborg wurde Geleff aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes auf die Insel Capri in Italien geschickt, wo er auch verstarb.

von

Günter Schwarz – 08.04.2018