Der chinesische Sender Mango TV, der zum staatlichen Sender Hunan TV gehört, hat am 8. Mai mehrere Beiträge aus dem ersten Halbfinale des diesjährigen Eurovision Song Contest zensiert und Aufnahmen von LGBT-Fahnen nur verschwommen gezeigt. Die European Broadcasting Union (EBU) reagierte prompt auf die Zensur und beendete die Zusammenarbeit mit dem Sender. Somit wurde das zweite Halbfinale am 10. Mai nicht mehr gezeigt, auch das große Finale am Samstag ist davon betroffen.

Der diesjährige irische Beitrag des Sängers Ryan O’Shaughnessy wurde nicht gezeigt, da zwei schwule Männer romantische Szenen aufgeführt hatten. Weil die zwei Männer sich umtanzen und Händchen hielten, wurde der irische Beitrag in China komplett nicht gezeigt.

Grund für die Zensur des Senders ist, dass China letztes Jahr ein Gesetz erließ, wonach die Darstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe nicht in Videos gezeigt werden darf und wonach keine „abnormalen“ sexuellen Aktivitäten mehr behandelt werden dürfen. Die Darstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe in Onlinevideos falle unter dieses Gesetz.

Auch der Beitrag Albaniens fiel der Zensur zum Opfer, da der Sänger Eugent Bushpepa seine Tattoos nicht verdeckt hatte – dieses verstößt gegen ein weiteres Gesetz Chinas. Zwar ist in China Homosexualität seit 1997 straffrei, aber viele Lesben, Schwule, Bi- und Trans-Menschen (LGBT) sehen sich immer noch mit einem Tabu belegt und flüchten in Scheinehen.

Bereits 2013 hatte das chinesische Fernsehen, damals der Staatssender CCTV, einen Kuss unter Frauen aus dem Eurovision Song Contest geschnitten. Damals küsste die finnische Sängerin Krista Siegfrids zum Schluss ihres Liedes „Marry me“ eine Mitsängerin.

von

Günter Schwarz – 11.05.2018