(Hamburg) – Der HSV steht heute am Samstag um 15.30 Uhr vor dem erstmaligen Abstieg aus der deutschen Bundesliga. Die Hanseaten waren bisher als einziger Club seit der Gründung 1963 immer dabei. Ein Sieg gegen Mönchengladbach ist Pflicht, gleichzeitig benötigen die Hamburger Schützenhilfe von Köln gegen Wolfsburg, das ebenfalls noch nicht gerettet ist.

Die „Wölfe“ haben mit 30 Punkten und einer Tordifferenz von 32:47 freilich die weit besseren Karten als Hamburg mit seinen 28 Zählern und dem Torverhältnis von 27:52. Zudem steht Gegner Köln bereits als Absteiger fest. Doch HSV-Trainer Christian Titz macht seinen Spielern Mut: „Ich glaube daran, dass wir es schaffen werden. Es ist wichtig, dass wir die Spieler locker halten.“

Erreichen die Hamburger den rettenden 16. Tabellenrang, so würde es in die Relegation gehen. Mit drei Auftritten in den letzten fünf Jahren ein bekanntes Prozedere für Hamburg. Relegationsgegner ist am 17. und 21. Mai der Zweitligadritte Holstein Kiel.

Vor dem Entscheidungsspiel gegen Mönchengladbach hat der HSV mit einer ungewöhnlichen Aktion nochmals seine Anhängerschaft mobilisiert. Statt wie donnerstags üblich unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu trainieren, lud der Verein ausdrücklich zum Zuschauen ein. Die Fans kamen in Scharen, rund 2.000 Zuseher sorgten trotz akuter Abstiegsgefahr für Stimmung.

„Das war eine richtig tolle Aktion. Sie hat gezeigt, dass die Mannschaft es geschafft hat, die Fans abzuholen“, schwärmte Trainer Titz. Der große Hoffnungsträger betrat als Letzter den Trainingsplatz und wurde noch mehr beklatscht und gefeiert als seine Spieler.

„Wir erwarten eine großartige Atmosphäre. Ich habe immer betont, dass es wichtig ist, den zwölften Mann zu haben. Wir werden jetzt noch stärker in das letzte Saisonspiel gehen“, sagte Titz. Das zeige die große Leidenschaft in der Stadt. Mit seiner mutigen Spielweise und der Einbeziehung von Nachwuchskickern hat der frühere U21-Erfolgscoach einen gehörigen Anteil daran.

Ganz anders hingegen ist trotz der besseren Ausgangslage die Stimmung in Wolfsburg, wo Häme und Spott regieren. Gesänge wie „Wir steigen ab und kommen nie wieder, aber wir haben Bruno Labbadia“, haben längst die Runde gemacht. Unter dem im Februar geholten Coach Labadia gab es nur einen einzigen Sieg.
Der Trainer gab seinen Spielern vor der Heimpartie gegen Köln frei. „Es gibt noch mal fast einen ganzen Tag zur Erholung. Es ist auch wichtig, den Nachmittag noch mal mit den Familien zu verbringen“, sagte Labbadia, der fest an die VfL-Rettung glaubt. „Ich weiß genau, was zu tun ist. Ich konnte diese Situationen eigentlich immer meistern.“ 2014/15 bewahrte „Retter Bruno“ den HSV vor dem Abstieg, diesmal kann er die Hamburger erstmals in die zweite Liga stürzen.

von

Günter Schwarz – 12.05.2018