Der norwegische Pfarrer Hans Egede bricht am 12.05.1721 mit seiner Familie per Schiff nach Grønland auf, um dort von ihm vermutete Wikinger zu missionieren. Er trifft stattdessen am 3. Juli auf die Inuit und wird zum „Apostel der Grønländer“.

Der am 10. Februar 1686 im norwegischen Harstad geborene Pfarrer dänischer Abstammung, Hans Poulsen Egede, wurde als „Apostel der Grønländer“ bekannt. Als „Apostel Grönlands“ ist Hans Egede in die Missionsgeschichte eingegangen. Er hat als erster den Inuits das Christentum gebracht, und als erster hat er eine umfassende Beschreibung dieses eigenartigen Volkes gegeben. „Ausführliche und wahrhafte Nachricht vom Anfange und Fortgange der Grönländischen Mission, wobei die Beschaffenheit des Landes sowohl, als auch die Gebräuche und Lebensarten beschrieben werden“, so ist der Titel seines Tagebuches, das im Jahre 1740 erschien. Seine und seines Sohnes Paul Beobachtungen und Forschungen bilden für die Wissenschaft noch heute die wichtigste Quelle zum Studium der ursprünglichen Lebensverhältnisse der Inuits.

Hans Poulsen war der Sohn des Sorenskrivers (Richters) Poul Hansen Egede und Kirstine Hind. Sein Vater war Sohn des Gemeindepfarrers Hans Jensen Ravn des Pfarrbezirks Vester Egede in Haslev, das zum heutigen Vestsjællands Amt gehört. Dessen Söhne nahmen den Ortsnamen Egede als Familiennamen an. Einer Familiensaga zufolge taten sie dies, um sich von Schulkameraden zu unterscheiden, die ebenfalls den Nachnamen Ravn trugen.

#Seine Mutter war die Tochter des Sorenskrivers der Vogtei Senja im Troms Fylke. Dessen Bezirk unterstand dem Gerichtsbezirk von Hans Egedes Vater, also seinem Schwiegersohn. Kirstine Hinds Bruder war Gemeindepfarrer in jener Vogtei.

1707 heirate der 21-jährige Geistliche Gertrud Rask. Aus der Ehe gingen mehrere Nachkommen, darunter Paul Egede, hervor. Dieser, der ursprünglich gern zur See gefahren wäre, beugte sich letztlich dem Willen des Vaters und wurde sein Nachfolger in der Missionsarbeit in Grønland. Neben seiner Tätigkeit als Grønland-Missionar machte Paul, der fließend die Sprache der Inuit beherrschte, sich einen Namen als Sprachwissenschaftler und Übersetzer.

Egede war zunächst evangelischer Pfarrer auf den Lofoten im Norden Norwegens, als er von Grønland, dem sagenhaften grünen Land im Norden hörte, das von den Wikingern besiedelt worden war, zu dem der Kontakt aber seit langem abgebrochen sei. In der Vermutung, die ursprünglich christlichen Siedler seien wieder vom Glauben abgefallen, beschloss er, dieses Land zu suchen und zu missionieren. Der dänisch-norwegische König Frederik IV. gab ihm die Erlaubnis, nicht ohne Interesse an einer Kolonisierung des Landes.

Hans Egede brach am 12. Mai 1721 mit dem Schiff namens „Håb“ von Bergen aus nach Grønland auf und landete am 3. Juli des Jahres an der Westküste, die er Godthåb (Gute Hoffnung) nannte und die heute noch so heisst. Nachkommen der normannischen Ansiedler aus dem 9. und 10. Jahrhundert, die er suchte, fand er nicht, nur ganz vereinzelte Ruinen von Häusern und Kirchen aus ihrer Zeit. Er stieß jedoch auf die Ureinwohner Grønlands, die Inuit. Egede erlernte ihre Sprache, untersuchte die Struktur der Sprache und übersetzte wesentliche christliche Inhalte ins Grønländische, nicht ohne Fantasie. So war die Passage im Vaterunser – „unser tägliches Brot gib uns heute“ – für die Inuit völlig unverständlich, sie kannten kein Brot. Egede fand eine Lösung: Im grønländischen Vaterunser hieß es dann „unseren täglichen Seehund gib uns heute“.

Egede gründete die erste Kolonie und nannte sie Godthåb – die heutige Hauptstadt Nuuk. Egede ließ seinen Sohn biblische Geschichten zeichnen, kümmerte sich um Kranke und bekehrte die ersten Eskimos zum Christentum. 1724 konnte Egede die ersten grønländischen Kinder taufen.


Statue von Hans Egede in Nuuk
1729 erschien Egedes in mehrere Sprachen übersetztes Buch „Det gamle Grønlands nye perlustration“ (Des alten Gröenlands neue Perlustration), oder „Ein kurtze Beschreibung derer alten nordischen Colonien … in Gröenland“ über das Leben der Inuit, die Geschichte und die Natur Grönlands.

Der neue König, Kong Christian VI., rief 1730 alle Europäer aus Grønland zurück, Egede blieb jedoch, bestärkt durch seine Ehefrau Gertrud. 1733 durften auch Herrnhuter Missionare nach Grønland reisen. Sie bauten südlich von Nuuk Neu-Herrnhut auf.

1734 brach in Egedes Kolonie Godthåb eine Pockenepidemie aus, der alle Inuit und 1735 auch Egedes Frau Gertrud zum Opfer fielen. Hans Egede ließ seinen Sohn Paul in Grønland und reiste am 9. August 1736 mit seinen Töchtern und seinem Sohn Niels nach København. Dort bestattete er seine Frau und bildete bis 1747 Katecheten für den Einsatz in Grønland aus. 1741 wurde er Superintendent der grønländischen Missionskirche.

Hans Egede verstarb am 05. November 1758 in Stubbekøbing auf der Insel Falster in Dänemark.

Egede wurde zum „Nationalheiligen“ Grønlands, der Ort Egedesminde (Erinnerungsstätte für Egede) ist nach ihm benannt. Egedesminde wurde 1759 von Niels Egede, dem zweiten Sohn Hans Egedes auf der Halbinsel Eqalussuit gegründet und 1763 auf die Insel Aasiaat verlegt, einen historischen Platz, der schon 2500 v. Chr. von Inuit besiedelt war. Des Weiteren trägt die Insel Hans-Egede-Land seinen Namen.

Nach Hans Egede und seiner Ehefrau Gertrud Rask wurden zwei von vier Schiffen der grønländischen Handelsmarine benannt. Beide gingen im Zweiten Weltkrieg verloren.

Auch der Mondkrater Egede wurde nach ihm benannt.

Sogar die Evangelische Kirche in Deutschland erinnert am 5. November mit einem Gedenktag im Evangelischen Namenkalender an Egede.

von

Günter Schwarz – 12.05.2018