(Flensburg) – Schon als kleiner Steppke stand Kevin Møller auf dem Spielfeld der damaligen Campushalle mit seinem Edding inmitten der großen Kinderschar und wartete geduldig auf ein Autogramm von Jan Holpert. Jetzt freut sich der inzwischen 28-Jährige aus Bedstedt nach dem Gweinn der deutschen Meisterschaft mit dem SG Flensburg_Handewitt auf die neue Herausforderung beim FC Barcelona.

„Ich war unheimlich stolz, als ich es endlich hatte“, erinnert sich der Torhüter: „Jan hat damals sogar mit mir gesprochen, aber ich habe kein Wort verstanden.“ Am Sonntag nach dem zweiten Meistertitel der SG Flensburg-Handewitt erfüllte der 28-Jährige aus Bedstedt letztmals die Autogrammwünsche junger SG-Fans, nachdem er mit zehn Paraden zu einem der Matchwinner avanciert war. In der nächsten Spielzeit wird der Schlussmann das Trikot des großen FC Barcelona tragen.

„Die SG war immer mein größter Traum, aber jetzt möchte ich den nächsten Schritt in meiner Entwicklung machen“, sagt Kevin Møller.

Die Begegnung mit SG-Legende Jan Holpert war einschneidend und hat mit dazu beigetragen, dass Kevin Møller Torwart geworden ist. Als groß gewachsener Linkshänder hätte er vielleicht auch ein passabler Feldspieler werden können. „Aber als einmal unser Keeper nicht da war, habe ich gesagt, dass ich ins Tor gehen kann“, erzählt Møller. „Das war ganz gut so, denn meine Mitspieler waren genervt, weil ich immer so oft aufs Tor geworfen habe.“ Diese Entscheidung hat Kevin Møller nie bereut: „Sonst wäre ich ja nie nach Flensburg gekommen.“

Als der Bedstedter 2014 nach dem Sieg in der Champions League an der Förde anheuerte, übernahm Jan Holpert als Torwarttrainer erneut einen wichtigen Part in Møllers Entwicklung. „Das Training war manchmal hart, aber es hat sich gelohnt“, sagt Møller. Unter der SG-Legende reifte der Mann mit der Nummer 16 zum National-Keeper und wurde im Januar sogar für die Finalrunde der EM in Kroatien nachnominiert. Es war ein großes Erlebnis für Møller, auch wenn er nicht spielte.

Nun also Spanien und Danijel Saric als neuer Torwart-Coach. Die meisten Kartons sind schon gepackt. Doch erst einmal steht der verdiente Urlaub nach dem Titelgewinn an. Ende Juli geht es dann auf die iberische Halbinsel. „Die Vorbereitung dort fängt erst im August an“, erzählt Møller. Der scheidende SG-Keeper wird nur seine Klamotten in den Süden mitnehmen, sein Mobiliar aus Flensburg wird eingelagert.

„Und dann werde ich nach meiner Ankunft in Barcelona ein großes schwedisches Unternehmen unterstützen und mir neue Möbel kaufen.“ Allzu viele werden es nicht sein. Møller wird lediglich eine kleine Wohnung beziehen – ganz für sich allein. Er freut sich auf Spanien. „Weg von der Familie, ein neues Land, eine neue Kultur, eine Mannschaft mit neuen Charakteren, das wird eine Herausforderung“, sagt Møller.

Gespannt ist der 28-Jährige auch auf die Zusammenarbeit mit FC-Keeper Gonzalo Pérez de Vargas. „Ich habe schon mit ihm gesprochen. Sportlich ist er Weltklasse, und auch menschlich habe ich nur Gutes von ihm gehört.“ Einsam wird Møller in der katalonischen Metropole jedoch nicht sein. Mit Jannek Klein hat jüngst das größte SG-Talent bei Barca einen Zweijahresvertrag unterschrieben. „Dann kann ich mit jemandem Deutsch sprechen“, sagt Møller. „Und der Sohn von Thomas Knorr spielt dann ja auch dort.“

Der Meistertitel mit Flensburg-Handewitt ist für Møller wie ein „Märchen“. „Ich hatte hier vier schöne Jahre, der Abschied ist perfekt“, strahlt er. „Und vielleicht werde ich irgendwann zurückkommen.“

von

Günter Schwarz – 10.06.2018