(Broager) – Das Freilandgelände des Ziegeleimuseums Cathrinesminde südwestlich des Ortes Broager an der Flensburger Förde ist Kulisse für das Theaterstück „Fare, fare Krigsmand“ (Gefahr, gefährlicher Krieger) aus der Feder von Jacob Clausen, welches 30 Amateure bestehend aus Schauspielern, Musikern und Helfern hinter den Kulissen mit viel Herzblut und Spielfreude noch am 15. Juni 2018 um 22:00. am16. Juni 2018 um 15:00 Uhr und am 17. Juni 2018 um 15:00 Uhr aufführen. Noch sind Karten an der Kasse zu haben.

Die Intensität und das Engagement, mit der die Amateurdarsteller das Theaterstück „Fare, fare Krigsmand“ aufführen vermag die Zuschauer mit der Vergangenheit so zu konfrontieren, als ob sie sich selbst mittendrin im Geschehen befinden, obwohl das Stück im Ersten Weltkrieg spielt, der vor 100 Jahren am 11. November 1918 zu Ende war.

Es ist die Geschichte des Ziegeleibesitzers Christian Hollensen und seiner Haushälterin Ingeborg. Die Feier zu ihrem 30. Geburtstag endet abrupt, durch den Aufruf zur Mobilmachung. Hollensen wird eingezogen sowie zwei Mitarbeiter, ein Gehbehinderter und ein siebenfacher Familienvater. Der Ziegeleibesitzer vertraut seiner Haushälterin das Werk an. Ingeborg meistert diese Aufgabe mit Durchsetzungsvermögen und Verständnis, den Sorgen der Frauen gegenüber, die nun in der Ziegelei arbeiten müssen, um sich und ihre Kinder ohne ihre Männer durchzuschlagen.

Das hindert manche nicht daran, als sozialistisch verdammte Gedanken zu äußern. Sie fordern mehr Lohn und singen die Internationale. Sie eint jedoch das Warten auf den Postboten. Hat er einen Brief von dem Liebsten dabei? Auch Ingeborg wartet, denn sie und Hollensen schreiben sich fast täglich. „Auch wenn Deutschland im Krieg ist, das deutsche Postwesen funktioniert“, sagt Ingeborg. Beide verfassen um die 700 Briefe, die heute in Sønderborgs Schloss aufbewahrt sind.

Diese bilden das Fundament, aus dem Dramatiker Jacob Clausen das Stück geschrieben hat. Regie führt Kristian Hald, der von der Generalprobe am Dienstag begeistert sprach: „Sie gehen noch mehr in die Tiefe“, zieht er einen Vergleich zur Uraufführung von „Fare, fare krigsmand“ vor zwei Jahren, mit fast denselben Darstellern.

Der Zuschauer kann sich aber auch amüsieren, trotz des bitterernsten Themas. „Es sind diese Augenblicke, die einem das Leben erleichtern“, sagt eine Frau beim Fest, das der Kriegsgefangene Pierre gibt. Er ist Ingeborg eine große Hilfe. Beide finden sich sehr sympathisch, was die Arbeiterinnen dazu bringt, Anweisungen Ingeborgs mit „Oui, oui, Madame“ zu beantworten.

Das Stück wird nach der gestrigen Premiere am Donnerstag und am Freitag ab jeweils 19.30 Uhr und am Wochenende ab jeweils 15 Uhr aufgeführt. Karten gibt es an der Abendkasse. Auch 150 Schüler der Sundewitter Nachschule werden das Stück auf Einladung des Veranstalters „Cathrinesmindes Venner“verfolgen. „Es sind ja die Jungen, die das Stück sehen sollen. Es ist ein sehr wichtiger Teil der dänischen Geschichte. Ich habe alle Schulen eingeladen, nur zwei haben geantwortet. Es ist ja Examenszeit, leider“, meint der Vorsitzende Carsten Hauerberg.

Die Darsteller, Musiker und Helfer zumindest verdienen es, vor vollen Zuschauerrängen zu spielen. Der Zuschauer darf gewiss sein, er wird reich beschenkt mit Eindrücken, die unter die Haut gehen. Während der Pause wird Kaffee serviert, oder sie können auch in Erinnerung an die Lebensbedingungen der Ziegeleiarbeiter Kaffee-Punch und Schmalzbrot erhalten.

Der Eintritt beträgt 130 Kronen (17,50 Euro), Kinder haben freien Eintritt

von

Günter Schwarz – 14.06.2018