(Kellinghusen) – Dass möglicherweise etwas nicht stimmt bei der Unterbringung der Rumänen, die größtenteils beim Schlachthof Tönnies arbeiten, haben die Anwohner in Kellinghusen zunächst vor allem am Müll vor den Unterkünften der Arbeiter gemerkt. Von „Batterien von Müllsäcken“, spricht eine Bürgerin auf einer Bürgerversammlung.

Der Bürgermeister, Axel Pietsch, spricht von 150 rumänischen Leiharbeiter, die mittlerweile in der Stadt sind und für einen Subunternehmer des Schlachthofes Tönnies für Hungerlöhne schuften und in Unterkünften zu Mieten, die von Lohn gleich einbehalten werden, untergebracht sind, die eher an Ställe der Tiere erinnern, die sie tagtäglich im Schlachthof zu schlachten und zu verarbeiten haben. – Und die „Tönnies Lebensmittel GmbH & Co KG“ weiß angeblich von NICHTS, wie es bei Konzernen so üblich ist, die mehr um den Profit ihrer „Shareholder“ besorgt sind als um das Wohl derjenigen, die den „Shareholdern“ ihren Gewinn erarbeiten. Der Lebensmittelkonzern aus dem westfälischen Rheda-Wiedenbrück verweist lapidar auf die Zuständigkeit seines Subunternehmers!

Gewerkschafter erheben Vorwürfe gegen die unzumutbaren Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter. „Uns hat abends ein Rumäne angerufen, der wollte Hals über Kopf nach Hause, weil sie 16 Stunden am Tag arbeiten müssen“, sagt Norbert Wagner vom Kreisverband Steinburg des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Tönnies sagt zu diesem Vorwurf: „Für die Einhaltung der zulässigen Arbeitszeiten sei der Subunternehmer zuständig. Und die Kontrolle über die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes obliegt dabei der zuständigen Ordnungsbehörde.“ Aber auch die Unterbringung der Leiharbeiter sorgt bei Anwohnern und Gewerkschaftsvertreter für Kritik. Die Wohnungen seien überbelegt und völlig verdreckt, so der Vorwurf.

Es liegen Videos vor, die aus einer Wohnung stammen sollen, die ein Subunternehmen von Tönnies für die Arbeiter angemietet hat. Darin ist eine verdreckte Küche zu sehen, in der Insekten umherschwirren. Insekten auch im Schlafzimmer. In den Wänden sind Risse. Zu den Wohnverhältnissen sagt Tönnies: „Für die Einhaltung von Sauberkeit und Hygiene in der Unterkunft sei zuerst der jeweilige Mieter oder Eigentümer zuständig und bei groben Vernachlässigungen auch der Vermieter.“

Die Kellinghusener um Anja Halbritter haben einen Unterstützerkreis gegründet, um den Schlachthofarbeitern zu helfen und sie integrieren zu können. Sie sagt: „Wir freuen uns, dass die Werkvertragstätigen überhaupt da sind, und eine Arbeit verrichten, die anscheinend auch kein Deutscher mehr verrichten möchte. Das heißt aber gleichzeitig, dass sie auch ein Recht haben, ordentlich zu wohnen und zu leben und zu arbeiten.“

Wegen der Aufnahmen und wegen des Protestes aus Kellinghusen hat das Gesundheitsministerium jetzt die staatliche Arbeitsschutzbehörde zur Überprüfung der Arbeits- und Lebensbedingungen eingeschaltet, die Behörde soll gegebenenfalls auch Maßnahmen dagegen einleiten.

von

Günter Schwarz – 14.06.2018