(Moskau) – Es ist vorbei: Mexiko schlägt Deutschland mit 1:0 und sorgt für die erste faustdicke Überraschung an dieser WM!

Zum Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der FIFA Fußball-WM hat es am heutigen Sonntag nicht auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg-St. Pauli lange und traurige Gesichter gegeben. Tausende Fans beobachteten vor Public-Viewing-Bühnen landauf landab die 0:1-Niederlage Deutschlands gegen Mexiko.

„Fan Park Hamburg“ blieb sogat der große Besucheransturm aus. Lediglich 20.000 Fans kamen laut den Veranstaltern auf das Areal, das normalerweise bis zu 40.000 Platz bietet, um die deutschen Spiele auf einer 126 Quadratmeter großen LED-Leinwand zu verfolgen.

Hirving Lozano vollendete einen Konter zum Sieg für ein extrem engagiertes Mexiko in der 35. Minute, das zwar weniger Torchancen kreierte als die DFB-Elf, aber lange Zeit präsenter wirkte und einen klaren Matchplan hatte.

„Wir haben in der ersten Halbzeit keine Lösungen gefunden. Das haben wir in der zweiten Halbzeit besser gemacht. Wenn du vorne so viele Bälle einfach verlierst, kommen die Mexikaner zu Chancen. Wir sind jetzt unter Druck, wir müssen jetzt sechs Punkte aus den anderen beiden Spielen holen“, fasste der dauerhaft in Manndeckung genommene Spielmacher Toni Kroos die Niederlage zusammen.

Offener Schlagabtausch in der Anfangsphase

Das Spiel begann ohne Abtastphase: Die Deutschen hatten kaum den Ball berührt, da konnte Lozano direkt vor dem deutschen Tor erst in allerletzter Sekunde durch den heranfliegenden Jerome Boateng abgeblockt werden. Auf der anderen Seite war es nur eine Minute später Timo Werners Abschluss, der knapp das mexikanische Tor verfehlte.

Der Weltmeister, dessen linke Seite ohne den erkrankten Jonas Hector von WM-Debütant Marvin Plattenhardt und Julian Draxler besetzt wurde, zeigte sich in einer intensiven Anfangsphase nicht wirklich stabil. Die DFB-Elf offenbarte gegen die schnellen Nordamerikaner immer wieder Lücken zwischen Abwehr und Mittelfeld, in die diese bei Kontern gefährlich vorstießen. Deutschland hatte mehrfach Glück, dass die Grün-Weißen im letzten Angriffsdrittel meist zu kompliziert spielten.

Das Team von Joachim Löw konnte selbst ein paar wenige offensive Duftmarken setzen. Nach 16 Minuten hätte Carlos Salcedo beinahe ins eigene Tor getroffen, Werner übersah in aussichtsreicher Position den völlig freien Draxler (19.). Dennoch: Die bessere, fleißigere und aggressivere Mannschaft im ersten Durchgang war die von Juan Carlos Osorio, die dann nach 35 Minuten auch völlig verdient durch Lozano in Führung ging, als die DFB-Elf erneut zu weit aufgerückt war.

Deutschland gelang vor der Pause keine Antwort mehr. Einen Freistoß von Kroos lenkte Mexiko-Keeper Guillermo Ochoa mit den Fingerspitzen jedoch an die Querlatte (39.).

Reus-Einwechslung bringt mehr Druck

In der zweiten Hälfte zog sich „El Tri” mit der Führung im Rücken etwas mehr zurück, die deutschen Spieler fanden gegen den laufstarken und körperlich präsenteren Gegner zunächst nur selten einmal eine Lücke – überraschende Tempowechsel oder Eins-gegen-Eins-Situationen gab es nur selten. Die Fehlerquote blieb indes hoch und ermöglichte Mexiko immer wieder Nadelstiche. Chicharito und Carlos Vela spielten in der 56. Minute einen Konter in Überzahl gegen Boateng zu schlampig aus und verpassten somit das 2:0.

Löw wechselte nach einer Stunde offensiv und brachte Debütant Marco Reus für den unauffälligen Sechser Sami Khedira. Das führte zu mehr Torgefahr: Ein Fallrückzieher von Joshua Kimmich landete oben auf dem Tornetz (65.), Draxler zielte per Schlenzer knapp vorbei (66.), Reus (70.). und Kroos (75.) ebenfalls.

Zu spät aufgewacht

Der Weltmeister war spät aufgewacht und schnürte den müde werdenden Kontrahenten immer wieder ein, war aber nicht zwingend genug und lockerte den Griff immer wieder im falschen Moment durch eine Ungenauigkeit. Mexiko hatte auf der anderen Seite weiter Kontergelegenheiten, spielte diese aber ungenau aus (78., 81.). Schlussphase: Der ebenfalls eingewechselte Mario Gomez köpfte vorbei (87.), scheiterte an Ochoa (88.) und schließlich zielte auch der dritte Joker, Julian Brandt, nicht genau genug (89.). Als Schiedsrichter Alireza Faghani schließlich abpfiff, versank das Moskauer Luschniki-Stadion in grün-weißem Jubel.

Deutschland hat nach dieser Niederlage nun noch größeren Druck als ohnehin und muss im zweiten Gruppenspiel am nächsten Samstag gegen Schweden unbedingt gewinnen. Mexiko kann gegen Südkorea einen weiteren großen Schritt in Richtung Achtelfinale machen.

überarbeitet und veröffentlicht von

Günter Schwarz – 17.06.2018