Wir haben uns oft Gedanken darüber gemacht, welchen „Wert“ Kultur in unserem Leben spielt, da unser aller Leben an sich letztlich „nur“ der Abdruck der Summe unserer Entscheidungen und Umgebung darstellt. Ich selbst habe schon mehrfach beschlossen, nur Dinge zu tun, die meiner Seele gut tun. Mit einer großen Affinität zu „Kunst und „Literatur“, bewegen sich diese Dinge in meinem Fall sehr weit innerhalb des Kreises von „schöngeistigen Beschäftigungen“. Ich bin sehr viel glücklicher mit einem Buch als auf einer wilden Party…

Ich nehme mehr aus einer Oper mit, als von einem Rap-Konzert.

Ich möchte dies sehr wertfrei darstellen, denn Geschmäcker sind verschieden, und es geht sicher nicht darum, ein Ranking für Freizeitbeschäftigungen zu erstellen. Sehr wohl aber darf man sich Gedanken darüber machen, womit wir unsere Freizeit (unsere Lebenszeit) gestalten, denn: Die Summe aller unserer Leben gestaltet die Gesellschaft, in der wir leben. Insofern ist es also unbedingt wichtig, wofür sich einzelne Menschen entscheiden.

Unserer Wirklichkeit und Gesellschaft haftet sehr wenig schöne Kultur an. Bei Betrachtung vieler Lebensbereiche kann man zugeben, dass wir in einer sehr gewaltorientierten Gesellschaft leben. Ich führe dies nicht nur auf verkorkste Fernsehprogramme oder Computerspiele zurück, sondern vielmehr auf den Gedanken der Konkurrenz, den wir schon unseren Kindern mit auf den Weg geben. Im Resultat gelingt es uns immer weniger, gewaltfrei miteinander umzugehen.

Man kann das nicht nur in einer Kriminalstatistik beobachten, sondern ganz oft auch in der Art und Weise, wie wir miteinander reden oder wie wir uns mitteilen. Mobbing, kleine Streitigkeiten oder auch Neid und Mißgunst sind das Resultat einer grundsätzlichen Gewaltbereitschaft. und „natürlich kann geschossen werden“, waren die Worte Ulrike Meinhofs, die vor nicht langer Zeit eine Stimmung der Verunsicherung und Gewalt auslöste.

Besorgniserregend wird es immer dann, wenn neben einer grundsätzlich gewaltorientierten Gesellschaft auch noch unbedachte Umstände einer sozialen Unzufriedenheit geschaffen werden. In solchen Zeiten würde Meinhofs Zitat nur allzu schnell brandaktuell. In einem Land, in welchem man sich für die Erben der großen Geister der Zeit hält, ist das eine unheimlich „kulturferne“ Haltung.

In der Bildung liegt der Schlüssel. Man darf sich also überlegen, ob man seinen Kindern nicht einen größeren Gefallen tut, sie mal mit in ein Museum oder eine Bücherei zu schleppen, als an den Strand oder ins Fitness Studio.

Kurzfristig läßt sich dieses Problem nicht lösen. Aber irgendwann sollte man tatsächlich damit beginnen. Ganz im Geiste der alten „Dichter und Denker“.

Michael Schwarz, 28.Juli 2018