Der US-Präsident lässt kaum eine Gelegenheit aus, Chinas Wirtschaftspolitik und Handelsüberschuss zu den USA zu kritisieren. Laut Trump erschleiche sich das Reich der Mitte mit Billigexporten einen unfairen Handelsvorteil und schadet damit der amerikanischen Wirtschaft. Doch bei der Produktion seiner Fahnen für den nächsten Präsidentschaftswahlkampf 2020 schert sich der „gute Donald“ nur wenig um die Arbeiter seines Landes. Geht es um sein eigenes Geld und seinen Wohlstand, so gilt für Trump offenbar „My Wallet First“ (Mein Portemonnais zuerst) statt „America First“!

Zwar finden die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA erst 2020 statt – doch Trump scheint es eilig um seine Wiederwahl zu haben: Laut mehreren Medienberichten arbeiten Fabrikarbeiter in Ostchina seit März hart daran, etwa 90.000 „Keep America Great“-Banner für die Wiederwahl von Donald Trump zu produzieren. Der Großauftrag soll in Windeseile abgewickelt werden, um eventuellen wirtschaftlichen Auswirkungen des von Trump initiierten Handelskrieges zwischen den USA und China zuvorzukommen.

Doch war da nicht was? Richtig: Schon in seinem ersten Wahlkampf, und später nach seiner Amtseinführung, ließ Trump kein gutes Haar an US-Unternehmen, die aus Kostengründen ihre Produktion nach China verlagert hatten. Mittlerweile haben sich die unterschiedlichen Sichtweisen der beiden Länder zu einem veritablen Handelskrieg hochgeschaukelt. Seit Anfang Juli dieses Jahres gelten US-Zölle auf chinesische Importe. Die Abgabe von 25 Prozent betrifft Waren im Wert von 34 Milliarden US-Dollar. Sie gilt für 818 Produkte, darunter Autos, Flugzeugteile und Festplatten. Kurz nach dem Inkrafttreten der US-Zölle beschloss die chinesische Führung Gegenmaßnahmen.

Doch auch für Trump kommt offenbar, frei nach Bertolt Brecht, erst das Fressen und dann die Moral. Der Geschäftsführer von Jiahao Flag Co. Ltd, wo Zehntausende von Trump Kampagnen-Banner in den letzten Monaten produziert wurden, sagte gegenüber Reuters: „Sie bereiten sich im Voraus vor, sie nutzen die Tatsache aus, dass die Preise noch nicht gestiegen sind, mit noch niedrigeren Preisen.“

Yao weißt darauf hin, dass die Monate vom Frühjahr bis zum Sommer die Nebensaison für die Produktion in den Fabriken von Jiahao Flag Co. sind. Doch in diesem Jahr sind die Frauen an den Nähmaschinen damit beschäftigt, die Kanten der „Trump 2020“-Flaggen zu säumen. Dabei hat Trump angedroht, dass er gerne weitere zehn Prozent Zölle auf chinesischer Produkte im Wert von rund 200 Milliarden US-Dollar erheben will. Letzte Woche drohte Trump sogar damit, zusätzliche Zölle auf alle chinesischen Importe – darunter Flaggen – in Höhe von mehr als 500 Milliarden US-Dollar zu erheben.

Pikanterweise erzählte Yao auch, dass die Fabrik zudem Utensilien der ersten Trump-Kampagne im Jahr 2015 herstellt hat. Viele der legendären „Make America Great Again“ – oder „MAGA“-Banner wurden von Jiahao Flag Co. produziert. Doch nicht nur Jiahao Flag Co. ist gut im Geschäft. Auch zahlreiche andere Fabriken in China produzierten Trump-Kampagnenprodukte. Laut dem US-amerikanischen Radionetzwerk „NPR“ soll in China sogar der Witz kursieren, dass die Anwohner wussten, dass Trump die Wahlen gewinnen wird. Und zwar weil sie schlicht mehr Aufträge aus seiner Kampagne im Vergleich mit der Hillary Clintons erhielten.

„Die Verkäufe sind seit 2015 großartig“, bestätigte Yao gegenüber Reuters. Der Geschäftsmann sieht jedoch dunkle Wolken am Horizont aufziehen: „Wenn er [Trump] weiterhin Zollerhöhungen fordert, oder wenn er weiterhin mit denen übereinstimmt, die gegen China sind, würde ich definitiv nicht in der Lage sein,[mehr Bestellungen] zu akzeptieren, so Yao. Und er ergänzt: „Jeder kann ein patriotisches Herz haben, aber das wird seine Wirtschaft nicht verbessern.“

Es ist kein Geheimnis, dass viele Waren in den US-amerikanischen Geschäften aus China stammen. Zum Teil kommt es dabei zu grotesken „Entdeckungen“: So stellten Gäste einer „Made in America“ Veranstaltung am letzten Wochenende verdutzt fest, dass das Besteck, mit dem sie aßen, tatsächlich in China hergestellt wurde. Auch das dürfte eingefleischten Trump-Anhängern schwer im Magen liegen.

von

Günter Schwarz – 30.07.2018