(Ribe) – Die Ausgrabungen in Ribe fördern neue Erkenntnisse zutage und verändern die Geschichte. Sie werden mit den drei dänischen Galathea-Expeditionen verglichen, die im 19., 20. und 21. Jahrhundert rund um die Welt in Richtung von West nach Ost auf nahezu gleichen Routen erfolgten und bei denen insgesamt 93 Container voll mit Fundstücken von zoologischen, entomologischen, botanischen und geologischen Objekten zusammengetragen wurden.

Perlen, Schmuck und Kämme sind nur einige der Dinge, die im Boden von Ribe in den letzten Jahren gefunden wurden. Diese Funde offenbaren, dass der Ursprung Dänemarks ältester Stadt Ribe nicht bis auf das 8. Jahrhundert zurückgeht, als die Wikinger ihre Raubüberfälle und Eroberungszüge begannen, was bisher angenommen wurde. Im Gegenteil, die Archäologen können mit den Funden nachweisen, dass Ribe schon eine wichtige Siedlung und Stadt für die Wikinger war. Es war eine Stadt, in der die Wikinger nicht nur einkauften und Handel trieben, sondern sie ließen sich dort auch über mehrere Generationen hinweg nieder.

So erzählt Professor Søren Sindbæk von der Aarhus Universität, der die Ausgrabung leitet: „Jetzt können wir nachweisen, dass Ribe mindestens ein bis zwei Generationen älter ist, als wir es bis jetzt wussten. Wir haben Formen von Schmuckstücken gefunden, die viel älter sind, und feine Kämme, die eine großartige Handwerkskunst bezeugen. Sie sind zumindest vor dem 8. Jahrhundert gefertigt worden. Es ist also ein Stück neue Zeitgeschichte, die wir damit entdeckt haben“, sagt er.

Der Professor freut sich besonders darüber, Häuser von bis zu 70 Quadratmetern Größe gefunden zu haben, die Hinweise darauf geben, wie Perlenmacher und Bronzemacher gelebt haben. Es wurden auch eine Schuhmacherwerkstatt und mehrere Runeninschriften gefunden, die man  bisher nur zwei- bis dreimal in Dänemark entdeckte.

Die Ausgrabungsarbeiten, die in den letzten Wochen stattgefunden haben, dauerten insgesamt mehr als ein Jahr, und es ist die weltweit größte Ausgrabung der Wikinger-Gesellschaft. Es ist sehr selten, dass Archäologen so viel Zeit zur Verfügung haben, so gründlich wie bei der Ausgrabung in Ribe zu graben und zu arbeiten.


Über ein Jahr lang gruben Archäologen im Untergrund von Ribes nach neuen Erkenntnissen über die Nutzung der Stadt durch die Wikinger.
Auf zwei Ausgrabungsflächen wurde im ältestens Teil der Stadt Ribe gegraben, und Soren Sindbæk vergleicht das Projekt mit den Galathea-Expeditionen und erklärt, dass die Auswertung der Vielzahl der Funde viele Jahrzehnte dauern dürfte und sicher eine ganze Reihe neue Entdeckungen bei den Ausgrabungen gemacht wurden, die zu neuen Erkenntnissen führen.

„Es könnte jemand in den 20 bis 30 Jahren kommen, der wissen möchte, was zuvor anders war, als es heute ist, und gerade jetzt stellen wir das sicher, dass er diese Informationen bekommt. Jetzt ist es vorbei, bis wir mit dem nächsten Team graben“, sagt er.

Und es besteht kein Zweifel daran, dass die Grabungsergebnisse für die dänische Geschichte von Ribe von Bedeutung sein werden, sagt der Direktor der Sydvestjyske Museer (Südwestjütländisches Museum), Flemming Just. „Wir erlangen natürlich viel neues Wissen darüber, und es steht in Verbindung der Bedeutung Ribes – nicht nur in der dänischen und nordischen Wikinger Geschichte, sondern auch darüber, wie Ribe in einem europäischen Handelsnetzt eingebunden gewesen ist.

Sobald die Ausgrabungen gänzlich abgeschlossen sind, werden die Funde in den nächsten zwei Jahren analysiert, untersucht und bestimmt. In Zukunft wird es dann aber möglich sein, die Fundstücke im Museet Ribes Vikinger (Ribes Wikinger Museum) zu besichtigen, wo Flemming Just das Museum mit den brandneuen Funden aus dieser Ausgrabung verändern will.

„Das Thema Wikinger ist im Moment ziemlich angesagt. Es ist auf der ganzen Welt beliebt. Wir werden es nicht versäumen, verlauten zu lassen, dass man hier in Ribe etwas über die Wikinger erfahren und lernen kann“, sagt er.

Die Ausgrabungen werden von der Carlsberg Fondet (Carlsberg Fond) mit knapp 16 Millionen Kronen (Euro) unterstützt und das gesamte Projekt heißt „Northern Emporium“.

von

Günter Schwarz – 18.08.2018