„Papier ist geduldig“, sagt ein Sprichwort. Dass Papier überhaupt nicht geduldig ist, werden viele Restauratoren und Archivare bestätigen können. Um Papier für nachfolgende Generationen zu erhalten, bedarf es richtiger Lagerung und sehr viel Pflege. Trotzdem wird man behaupten können, dass Papier neben den etwas sperrigen Schrifttafeln historischer, antiker Völker, die darauf in Keilschrift,  Hieroglyphen oder Runen schrieben, das dauerhafteste Medium ist, um Gedanken und Texte aufzubewahren. Wenn man möchte, dass seine Niederschriften auch in 300 Jahren noch gelesen werden kann, sollte man sie auf Papier verfassen.

Nun werden sich viele auf neue Tchnologien und Computer berufen, deren digitale Speicherung von Texten auf den ersten Blick einen Vorteil bietet. Aber ist das wirklich so? Wie viele Texte können wir noch vorweisen, die wir vor 15 oder 20 Jahren auf einem Computer geschrieben haben, die wir einst eventuell auf einer 5 1/4 oder 3 1/2 Zoll-Diskette abgespeichert haben?

Vielleicht werden sich hier und da noch ein paar Fragmente finden, falls unser Computer überhaupt in der Lage ist, derartige Diskettenformate noch in Laufwerken auslesen zu können. Ohne große Probleme werden wir allerdings noch Bücher auftreiben können, die locker doppelt so alt und älter sind als die ersten noch vorhandenen Aufzeichnungen auf einem Computer.

Disketten und CD-Roms haben als dauerhaftes Speichermedium schon versagt. Unsere USB-Sticks und externen Festplatten verglühen je nach Herstellergarantie in unregelmäßigen Abständen und wohl kaum jemand besitzt oder arbeitet noch an einem Computer, der älter als 10 Jahre ist. „Speichern im Internet“ wird immer an die Lebensdauer der Betriebe geknüpft sein, die diese Clouds oder Speicherorte zur Verfügung stellen. Dramatisch ausgedrückt: Wenn Apple Pleite geht, sind auch deine Tage-, Adressbücher und Foto-Erinnerungen weg.

Man kann mich totschlagen, aber in den Bibliotheken in dem aus dem 12. Jahrhundert stammenden spanischen Kloster Santa Maria de Montserrat bei Barcelona oder im Vatikan in Rom ist das „Wissen dieser Welt“ dauerhafter aufgehoben als bei Google oder iTunes & Co..

Dieses soll kein Statement gegen den Fortschritt, digitaler Lesegeräte oder Datenverarbeitung sein. Doch trotzdem auch ein Aufruf, „das Buch“ in seiner Papierform nicht ganz wertzuschätzen zu vergessen. Ein Buch wird durch die Jahrhunderte gehen können. Dein USB-Stick nicht – den „Das Tagebuch der Anne Frank“ wurde von dem Mädchen in ihrem Dachkämmerlein ohne Internetanschluss auch auf Papier gebracht, ohne in einer Cloud gespeichert zu werden.

Michael Schwarz, 25.08.2018