Irgendeine lokale Tageszeitung warnte in den vergangenen Tagen, dass Lesen für junge Menschen unattraktiv sei oder grundsätzlich zuwenig gelesen werde. Diese Beobachtung ist nicht neu, selbst wenn Buchmessen und auch der Buchhandel nicht an Existenzängsten zu leiden scheint, sondern behauptet, der Markt seie relativ stabil.

Wir können Büchern keine Unattraktivität vorwerfen. Bücher gibt es für jeden Geschmack und auch an „Trivialliteratur“ für Urlaub, Strand oder Feierabend mangelt es nicht. Es müssen nicht immer die Klassiker der Weltliteratur sein.

Der „Fehler“ liegt, unserer Beobachtung nach, nicht an einer generellen Unlust zu lesen oder gar an langweiligen Büchern, sondern schlicht an einem inzwischen stark ausgeprägtem Aufmerksamkeitsdefizit der „jungen Menschen“.

Um ein Buch von A-Z durchzulesen, braucht es Zeit. Und selbst mit Hörbüchern ist man, je nach literarischer Vorlage, sieben bis zwanzig Stunden beschäftigt. Wer hat diese Zeit?

Viele junge Leute schaffen es ja noch nicht einmal, sich einen Film in Ruhe anzuschauen!

Mal ernsthaft: Einfach mal sich selbst, den Partner oder auch die Kinder beobachten. Wer sitzt 90 Minuten gespannt auf dem Sofa und schaut einen Film? Meine Tochter nicht. Zwar läuft der Fernseher, und sie sitzt oder liegt mehr oder minder auch davor… Ihre Aufmerksamkeit pendelt allerdings oftmals zwischen Film, Chipstüte und Smartphone. Während des Films wird dann schnell mal Facebook und Insta gechecked … oder 5-80 Whatsapp-Nachrichten geschrieben. Wer soll sich da dann noch auf einen Film, geschweige den Inhalt konzentrieren können? Und wie unmöglich wäre es da, auch noch ein Buch zu lesen?

Man sollte Kinder zum Lesen er.zieh.en! Ernsthaft. Wer es gewohnt ist, sich stundenlang auf ein Buch zu konzentrieren, wird auch bei einem Tatort oder der Sendung mit der Maus weniger den Faden verlieren.

Eltern stehen viele Tricks zur Verfügung: Den Kindern einfach mal zur Nacht etwas vorlesen oder Bücher statt Apps verschenken. Es gibt übrigens auch ein irrsinniges Angebot an eBooks, die sich auf mobilen Geräten lesen lassen. Wenn junge Menschen schon stundenlang mit Handy oder Tablet verbringen, wäre ein Buch dort vielleicht sinnvoller als Candy Crush oder Facebook.

Ich persönlich bereue meine Lesebegeisterung nicht. Dazu bin ich mit Menschen umgeben, die alle mindestens eine volle Bücherwand besitzen – und auch gelesen haben. Menschen, die kaum Bücher besitzen, traue ich nicht über den Weg. Selbst bei geselligen Events sind „Leseratten“ einfach unterhaltsamer und haben mehr zu erzählen.

Toll ist es auch, gemeinsam mit Partner oder Kind gemeinsam ein Buch „parallel“ zu lesen und sich dann über die Geschichte auszutauschen. Nicht selten entdeckt man bei diesen Gesprächen völlig neue Facetten an einem Buch oder dessen Geschichte.

In diesem Sinne wünschen wir unseren Lesern ein ruhiges Wochenende, einen gemütlichen Platz und mindestens ein gutes Buch in Griffweite.