(København) – Jetzt ist unklar, ob der Fall neu verhandelt werden muss. Ein Richter musste wegen einer Unpässlichkeit während der heutigen Berufungsverhandlung gegen den „U-Boot-Mörder“ Peter Madsen ins Krankenhaus gebracht werden.

Kurz nach Verhandlungsbeginn stellte der Vorsitzende Richter des Østre Landsrettets in København fest, dass der heutige Verhandlungstag wegen des Unwohlseins eines Richters abgebrochen werden musste. Damit wurde das Berufungsverfahren gegen Peter Madsen zunächst einmal unterbrochen.

Laut dem Østre Landsret ist der erkrankte Richter sofort in ein Krankenhaus gebracht worden, Er ist bei Bewusstsein, und der Krankenwagen fuhr dennoch mit Blaulicht.

Der Vorsitzende bat um eine Pause, als der Staatsanwalt Kristian Kirk war in vollem Gange, um sein abschließendes Plädoyer vor dem Gericht zu halte und der Richter ihn unterbrach. Der heutige Verhandlungstag hatte erst etwa eine halbe Stunde zuvor begonnen.

Plötzlich glitt einer der beiden Richter zu Boden und daraus entwickelte sich eine dramatische Situation. Seine Kollegen nahmen sofort Erste Hilfe-Maßnahmen vor, im Gerichtssaal und auch im Hörraum nebenan, wo Journalisten aus dem In- und Ausland den Fall über zwei große Bildschirme verfolgten, wurde es unruhig.

Peter Madsen und seine Verteidigerin Betina Hald Engmark standen sofort von ihren Plätzen auf. Peter Madsen hielt sich die Hände vor den Mund und sah zu den Richtern hinüber, bevor er von zwei Justizbeamten aus dem Saal geholt wurde.

Die anwesenden Reporter und Zuhörer wurden aus der großen Halle im Østre Landsret geschickt, und ein Richter kam dann schnell in den Hörraum und schaltete die beiden großen Bildschirme aus, die direkte Bilder aus dem Gerichtssaal zeigten.
Das Østre Landsret hatte ansonsten erwartet, dass der Berufungsfall gegen Peter Madsen am heutigen Freitag abgeschlossen werden kann. Nach der Staatsanwaltschaft sollte noch die Verteidigerin Betina Hald Engmark ihr Plkädoyer halten, bevor der U-Bootbauer Madsen selbst noch die Gelegenheit zu einem etzten Wort bekomen sollte. Danach wollte sich das Gericht zur Abstimmung zurückziehen, um später am Tag das Urteil zu fällen.

Aber es ist jetzt nicht bekannt, wann das Urteil gefällt werden kann oder ob der Fall überhaupt fortgesetzt werden kann. Schon vor der Verhandlung am Mittwoch war einer der Laienrichter, ein Schöffe, ausgefallen, da sich herausgestellt hatte, dass er von einem Regierungsrat beschäftigt worden war und was zur Folge hat, dass er nach dem dänischen Recht nicht mehr Richter sein kann.

Dennoch war es möglich, den Fall fortzusetzen, weil das Gericht im Østre Landsret sich aus drei Berufsrichtern mit einer Stimme und drei Laienrichtern mit jeweils einer halben Stimme zusammensetzt. So gibt es in jeder Gruppe drei Personen mit Stimmrecht, erklärt Astrid Søndberg, Rechtsreporterin von TV 2. Das Gesetz besagt, dass ein Berufsrichter und ein Laienrichter ausfallen kann, ohne den Fall abzubrechen zu müssen – in diesem Fall übernehmen die zwei verbleibenden anderthalb Stimmen.

Das Østre Landsret erklärte, noch heute eine Pressemitteilung herausgeben zu wollen.

von

Günter Schwarz – 14.09.2018