(København) – Die Erderwärmung hat die „Schotterstraße“, wie die Nordostpassage zwischen Europa und Asien auch genannt wird, für die Seeschifffahrt geöffnet. Das Containerschiff der Mærsk Reederei hat maritime Geschichte geschrieben, indem es das erste Schiff seiner Art ist, das seine Reise von Asien nach Europa um Russlands Norden herum durch die Nordostpassage gemacht hat.

Die „Venta Mærsk“ fuhr am 23. August von der russischen Stadt Wladiwostok und machte am 28. August in Busan, Südkorea, noch einen Zwischenstopp, bis sie am 6. September die Reise durch die Nordostpassage begann. 11 Tage später meldete die Schiffsüberwachungszentrale der Marine Traffic Surveillance Service, dass das Schiff die Fahrt durch die Passage erfolgreich durchgeführt hat. Es befindet jetzt in der Barentssee ein paar hundert Kilometer nördlich von Hammerfest in Norwegen. Die Reise war so geplant, und der Crew geht es gut, meldet Mærsk.

Die Reederei betrachtet die Reise nicht als erfolgreich beendet an, da das Schiff noch durch die Ostsee fahren muss und wahrscheinlich am 22. September in Sankt Petersburg einlaufen wird. Daher sind Bilder oder Details der Reederei von der Fahrt im Norden von Sibirien und durch die Karasee nach Europa bislang nicht freigegeben worden.

Ein Bild von der Besatzung eines russischen Eisbrechers aufgenommen, der die „Venta Mærsk“ vom Østisibirischen Meer bis an den Rand des Eises in der Laptev-See begleitet hat, zeigt, dass es noch etwas dünnes Eis in den Gewässern gegeben hat. Juli-Oktober sind die Monate, wenn das Eis in der Passage dünn ist und Russland den Seeweg schon seit 2005 als Alternative zu bestehenden Fahrrouten zu erforschen begann.

Die „Venta Mærsk“ ist eines von vier Mærsk-Schiffen der neu in Cina gebauten Containerschiffen der „Eisklasse“. Es ist 200 Meter lang, hat einen Tiefgang von etwa 11 Metern und kann 3.600 Container laden.


„Venta Mærsk“ vor der Abreise aus Wladiwostok
Die Mærsk Reederei betont, dass die Reise nördlich um Russland eine Probefahrt ist und nicht der Beginn einer neuen Handelsroute. Man möchte untersuchen, ob es grundsätzlich möglich ist, die Route zu wählen und wie hoch die Kosten einer solchen Fahrt sind. „Im Moment ist die nördliche Seeroute keine kommerzielle Alternative zu unseren bestehenden Fahrtrouten. Diese werden von den Bedürfnissen unserer Kunden, Handelsmustern und der Demografie bestimmt“, heißt es von A. P. Møller-Maersk.

Die Fahrt durch die Nordostpassage zwischen Europa und Asien kann die Reisezeit zwischen den beiden Kontinenten jedoch um 40 Prozent verkürzen. So können Reedereien zudem Treibstoff und Zeit einsparen sowie die Kosten der Fahrt durch den Suezkanal in Ägypten oder um Südafrika herum entgehen.

von

Günter Schwarz – 16.09.2018