Kong Christian X. sendet am 26. September 1942 nach Erhalt eines Geburtstagsgrußes ein (sehr) kurzes Dankes-Telegramm an Adolf Hitler, das die sogenannte „Telegrammkrise“ auslöst.

Kong Christian X. wurde nach der Besetzung Dänemarks am 09. April 1940 durch Hitlerdeutschland durch seine Courage bekannt. Demonstrativ ritt er jeden Morgen unbewaffnet und ohne Leibwache durch die Straßen Københavns und wurde so zum Symbol für die Ablehnung der Dänen gegenüber ihren deutschen Besatzern.

1942 führte das Verhalten des Königs sogar zu einer schweren Krise mit dem Deutschen Reich. Hitlers überschwängliches Glückwunschtelegramm zu König Christians 72. Geburtstag am 26. September 1942 beantwortete der Geehrte schriftlich mit einem trockenen „Meinen besten Dank. Chr. Rex“, was Hitler als persönliche Beleidigung empfand, unmittelbar darauf den dänischen Botschafter in Deutschland auswies sowie den deutschen Botschafter in København, Cécil von Renthe-Fink, der als zögerlicher Diplomat galt, zurückrief und durch Werner Best ersetzte. Außerdem musste auf deutschen Druck der dänische Ministerpräsident Vilhelm Buhl zu Gunsten des vermeintlich deutschfreundlicheren Erik Scavenius zurücktreten.

Es wird berichtet – und im Allgemeinen als wahr angenommen –, dass Kong Christian sich energisch wehrte, als die nationalsozialistische Flagge auf Schloss Christiansborg, dem Sitz des dänischen Rigsdag (Reichstages / Rigsdag = bis 1953 bestehendes dänisches 2-Kammer-Parlament bestehend aus Landsting und Folketing), gehisst werden sollte. Der König soll einem General der Besatzungsarmee befohlen haben, die Flagge zu entfernen. Als der General dies verweigerte, erklärte der König: „Ein dänischer Soldat wird die Flagge entfernen.“ Der deutsche Offizier antwortete daraufhin, ein solcher Soldat würde erschossen werden. König Christian, mit 1,99 Metern der größte dänische König der Geschichte, antwortete: „Das glaube ich nicht. Denn ich werde dieser Soldat sein.“ Daraufhin befahl der General, die Flagge unverzüglich zu beseitigen.

Aus dem demonstrativen Widerstand Christians X. gegen die Besatzer ist, wohl auch in Verbindung mit der Rettung der dänischen Juden im Oktober 1943, die nicht der Realität entsprechende Legende entstanden, der dänische König sei aus Protest gegen die Judenverfolgung im Land mit einem Judenstern an der Jacke durch die Stadt geritten. Diese Legende wird auch in dem Film „Exodus“ aufgegriffen.

Eine Variante dieser Legende schildert die Reaktion des Königs auf den Befehl der deutschen Besatzer, dass alle Juden einen gelben Stern zu tragen haben. Christian X. habe darauf geantwortet, dass ein Däne genauso gut wie der andere sei. Deshalb werde er als erster den Stern tragen und erwarten, dass jeder loyale Däne seinem Beispiel folgen werde. Am darauffolgenden Tag sei der deutsche Befehl widerrufen worden. Beide Legenden entsprechen nicht der Wahrheit, da die Juden in Dänemark nie gezwungen wurden, den Judenstern zu tragen. Die deutsche Besatzungsmacht gewährte dem besetzten Land in inneren Angelegenheiten seit der Operation Weserübung vom 09. April 1940 große Autonomie.

Kong Christian X. starb am 20. April 1947 in København. Er wurde am traditionellen Begräbnisort der königlichen Familie im Dom zu Roskilde bestattet. Sein ältester Sohn Frederik, der Vater der heutigen dänischen Monarchin, Dronning Margrethe II., folgte ihm als Kong Frederik IX. auf dem Thron.

von

Günter Schwarz – 26.09.2018