(København) – Die Initiative eines Bürgers für ein Beschneidungsverbot gesunder Kinder hat mehr als 50.000 Unterschriften erhalten und wurde dem dänischen Parlament, dem Folketing, zur Prüfung vorgelegt, und der Antrag wurde von den Volksvertretern angenommen. Das schreibt „dr.dk“.

Der Vorschlag des Bürgers erreichte die erforderliche Unterstützung von 50.000 Unterschriften im Juni, und er wurde seitdem im Parlamentarischen Sekretariat behandelt und geprüft. Das Sekretariat ist zu dem Ergebnis gekommen, dass der Vorschlag nicht im Widerspruch zur Verfassung steht. „Es ist für den Gesetzgeber also möglich – sollte sich eine politische Mehrheit dafür finden – im Rahmen der Verfassung § 67 ein Verbot der Beschneidung von Jungen unter einem bestimmten Alter einzuführen“, heißt es vom Parlamentarischen Gesetzes-sekretariat gegenüber Danmarks Radio.

Laut der Initiative von „Intact Denmark“, die gegen die Beschneidung gesunder Kinder mobil macht, wird erwartet, dass der Vorschlag in der ersten Sitzungswoche des Folketings im Oktober zur Sprache gebracht wird. „Wir sind mit dem Vorhaben zufrieden. Es ist ein kleines Stück Dänemark und Weltgeschichte, dass wir jetzt bereit sind, diesen Schritt zu machen“, sagte eine der Initiatorinnen, Lena Nyhus, zu DR.

Die Debatte über die Beschneidung besonders gesunder Jungen ist seit langem im Gespräch. Befürworter argumentieren, dass das Kind selbst darüber entscheiden dürfen muss und dass die Beschneidung sie zum richtigen Mann macht.

Die Gegner des Verbots meinen, das Recht, Kinder unter 18 Jahren zu beschneiden, sollte bei den Eltern verbleiben, und dass es einen Teil der Religionsfreiheit ist, gläubige Kinder von religiösen Führern beschneiden zu lassen.

Laut einer Umfrage von DR im April hat die überwiegende Mehrheit der Fraktionen des Folketings entweder nicht Stellung zu dieser Frage genommen, oder sie beabsichtigen, ihren Mitgliedern bei der Abstimmung die Freiheit zu lassen, nach ihrem eigenen Gewissen zu entscheiden.

Die Beschneidung von männlichen Kindern in Dänemark und in den meisten Teilen Nordeuropas ist selten, und sie wird meistens mit religiöser Zugehörigkeit im Zusammenhang mit dem Islam oder dem Judentum vollzogen.

Laut einem Artikel in der britischen Zeitung „The Economist“ aus dem Jahr 2016 werden in den Vereinigten Staaten mehr als 50 Prozent der Kinder beschnitten. In Finnland und Großbritannien sind es dagegen nur zwei bis drei Prozent.

Die Beschneidung von Jungen wurde zum ersten Mal im späten 19. Jahrhundert populär, da sie als eine angebliche Heilung für Masturbation angesehen wurde und zudem angeblich Gesundheitsprobleme wie von Kopfschmerz bis Tuberkulose vorbeugen sollte. „In den USA wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Beschneidung von Knaben mit Hygiene und Wohlstand gerechtfertigt“, schreibt The Economist in dem Artikel.

von

Günter Schwarz – 28.09.2018