(Roskilde ) – Laut einer Meldung der Tageszeitung „Politiken“ haben Archäologen vom Museum Roskilde eine einzigartige Sammlung von Gräbern östlich der Stadt Roskilde auf Sjælland (Seeland) gefunden.

Archäologen haben in der kleinen Stadt Vindinge östlich von Roskilde 92 Gräber us dem Zeitraum von etwa 200 bis 400 n. Chr. gefunden. Die Gräber sind reich an Schmuck, Bernstein und Glas, schreibt „Politiken“.

„Ich bin seit 15 Jahren dabei, und wenn wir ein Grab finden, enthält es typischerweise ein einzelnes Skelett, das oft auch noch zu halber Höhe von einem Pflug angehoben wurde. Aber hier standen wir plötzlich vor einer archäologischen Schatzkiste. Wir fanden einen sehr großen und gut erhaltenen Begräbniskomplex mit einer großen Anzahl von Gräbern, was natürlich ein bisschen verrückt war“, sagte Oberinspektor und Archäologe Ole Kastholm vom Roskilde Museum zu „Politiken“.

Der Museumsdirektor Henrik Bo Nielsen stimmt dem Archäologen zu. „Es ist ein riesiges Puzzle, das dem Boden entrissen wurde“, sagte er. Im archäologischen Sinne ist es ein Geschenk.


Archäologen haben in der Kleinstadt Vindinge östlich von Roskilde auf Sjælland Gräber aus den Jahren zwischen 200 und 400 n. Chr. gefunden. Die Gräber sind reich an Schmuck, Bernstein und Glas.
Es ist nicht das erste Grab in der Gegend, das aus der römischen Eisenzeit stammt und hier gefunden wurde. Aber die große Menge an Schmuck, Perlen und Glas gibt einen besseren Einblick in das, was während dieser Zeit in der Gegend geschah. Betont wird, dass es in der Gegend sehr viel Aktivitäten gab, schon mehr als ein halbes Jahrhundert bevor Gorm erster König des alten Dänemarks wurde – „Gorm den Gamle“ (* vor 900; † ca. 936/958) war ein dänischer Stammesführer, der vielfach als erster König Dänemarks angesehen wird.

„Es spiegelt eine extreme menschliche Aktivität hier für einen relativ kurzen Zeitraum wider, und es besagt, dass Vindinge schon ein Machtzentrum während der römischen Eisenzeit (800 v. Chr. bis um die Zeitenwende) war. „Es muss ein großer Ort mit einer hohen Konzentration von Menschen gewesen sein – auch wichtige Leute“, sagt Ole Kastholm zu Politiken.

Museumsdirektor Henrik Bo Nielsen sagt, die Entdeckung offenbart, dass Vindinge tatsächlich ein Machtzentrum in der römischen Eisenzeit war. „Von Roskilde kann man es nicht sagen, ohne die mittelalterliche und Kirchengeschichte zu ignorieren. Doch jetzt tritt auch Vindinge in die Geschichte ein und wird zum Mitbewerber für alle Sagen und Legendenen, die wir traditionell über diese Region erzählen“, sagt er zu „Politiken“.

Die Entdeckung der Gräber wurde gemacht, weil das Gebiet mit Reihenhäusern bebaut werden sollte. Bei dieser Aussicht wussten die Archäologen, dass es Gründe geben könnte, sich das Gebiet vorher einmal genauer anzusehen, und sie wurden fündig.


In der Kleinstadt Vindinge östlich von Roskilde haben Archäologen auf Sjælland 92 Gräber gefunden.
Während der gesamten Ausgrabungsarbeiten wurde der Inhalt der Gräber und der gefundenen Gegenstände aus Angst vor Grabräubern geheim gehalten. „Wir hatten die Erwartung, etwas zu finden, aber nicht in dieser Größenordnung. Wir sind an gute Funde in Lejre und Roskilde gewöhnt – und plötzlich gab es ein ,Bingo‘ in dieser kleinen Stadt“, sagte Henrik Bo Nielsen.

„Die Frage ist jetzt, ob wir hier ein Machtzentrum vorfinden, das noch vor Lejre und Roskilde steht? Wir wissen es noch nicht, aber wir werden in den nächsten Jahren weiter danach forschen.

Einige der überraschenden Funde und Erkenntnisse aus Vindinge werden im Roskilde Museum schon in den Herbstferien zu sehen sein, wo ein Restaurator zeigen wird, wie man mit solchen Funden arbeitet.

von

Günter Schwarz – 06.10.2018