Als Dronning Margrethe II. 1978 vor 41 Jahren die dänische Minderheit in Sydslesvig (Südschleswig) besuchte, war es der Startschuss für eine Normalisierung und Anerkennung der dänischen Minderheit südlich der dänisch-deutschen Grenze nach Abschluss der „Bonn-Kopenhagener Erklärungen“ vom 28. März 1955.

Mit den Erklärungen wurden die Anerkennung der Minderheiten im jeweiligen Staat, d. h. der dänischen Minderheit in Deutschland und der deutschen Minderheit in Dänemark bestätigt. Die Erklärungen gestehen den Minderheiten keine Sonderrechte zu; es wurden jedoch das freie Bekenntnis zur jeweiligen Volkszugehörigkeit sowie die Gleichbehandlung aller Staatsbürger bestätigt.

Der 13. Juni 1978 war ein ganz besonderer Tag in Flensburg. Als Dronning Margrethe II. von der königlichen Yacht „Dannebrog“ die Gangway herunterschritt, wurde sie von Tausenden von Menschen jeden Alters begrüßt, die mit Fahnen in den Händen auf dem Kai standen und feierten, dass eine dänische Monarchin endlich wieder in die Stadt und ins Land gekommen war.

Im Laufe der vielen Jahrhunderte, als Slesvig (Schleswig) und Holsten (Holstein) dänisch waren, kamen regelmäßig Könige und Königinnen nach Sydslesvig. Als die Preußen mit den ihnen unterstützenden Österreichern jedoch nach der Schlacht von Dybbøl im Jahr 1864 die Region eroberte, mussten 114 Jahre dahingehen, bis eine dänische Monarchin zu einem offiziellen Besuch in das Land zurückkehrte. Es war Dronning Margrethe II. im Jahr 1978, die mit 38 Jahren mit friedlicher Absicht im Zusammenleben und gegenseitigem Respekt die Reise in die ehemaligen dänischen Herzogtümer antrat.

Tausende Menschen begrüßten die Dronning am Kai in Flensburg.

Ihr Großvater, Christian X., und ihr Vater, Frederick IX., waren nach der Wiedervereinigung Dänemarks mit Sønderjylland (Nordschleswig) 1920 die regierenden Könige Dänemarks. Aber keiner von ihnen begab sich zu einem offiziellen Besuch bei der dänischen Minderheit, die südlich der Grenze lebte. „Das war einfach nicht der richtige Zeitpunkt“, sagt Lars N. Henningsen, Dr. phil und ehemaliger Leiter der Studienabteilung der Dänischen Zentralbibliothek in Sydslesvig.

„Bis zur Wiedervereinigung 1920 war Nordschleswig von den Preußen zwangsverwaltet worden. Es gab keinen Anlass für einen Besuch. Das stand erst 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf der Tagesordnung. Doch dann trat die Nachkriegszeit ein, in der viele, viele Jahre lang wirklich frostige Zeiten zwischen der dänischen Minderheit und der deutschen Mehrheit südlich der Grenze herrschten. Und dann ist auch zu bedenken, dass die Tatsache nicht zu ignorieren ist, dass Kong Frederik IX. möglicherweise nicht von warmen Gefühlen gegenüber Deutschland geprägt war“, sagt er.

Dronning Margrethe und Prins Henrik schauen sich bei ihrem Besuch 1978 Bilder an.

Dass Nordslesvig (Nordschleswig) dagegen mehr auf der königlichen Tagesordnung stand, zeigte sich am deutlichsten bei Kong Christian X., der Dänemark während der beiden Weltkriege regierte und am besten als „Ritterkönig“ in Erinnerung bleibt, der 1920 bei der Wiedervereinigung Sønderjylland (Südjütlands) mit Dänemark über die alte Grenze bei Christiansfeld zu Pferd ritt – zu Ehren der Sydjyskerne (Südjüten), die nach mehr als 50 Jahren unter deutscher Herrschaft wieder dänisch waren.

Königin Margrethe bestieg den Thron, nachdem Kong Frederik IX. am 14. Januar 1972 verstarb. Als 1978 die neue dänisch-deutsche Autobahn eingeweiht werden sollte, war sie endlich da. Ein lang erwarteter offizieller Besuch in Sydslesvig wurde mit dem damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel arrangiert. Ein Besuch, bei dem es um viel mehr als nur eine neue Autobahn zwischen den beiden Ländern ging.

„Es ist sehr symbolisch für eine Straße, die zwei Länder verbindet. Ich denke, dass es etwas bedeutete. Die Königin sprach über die Tatsache, dass jetzt eine neue Ära des gegenseitigen Verständnisses, des Respekts und der friedlichen Zusammenarbeit zwischen zwei demokratischen Ländern beginnt, und dass dieses mit der Autobahn verbunden werden könnte“, sagt Lars N. Henningsen.

1978 waren nach drei Kriegen wieder viele Wunden verheilt, und die Anwesenheit der königlichen Yacht „Dannebrog“ in Flensburg war ein Indiz dafür, dass das benachbarte Grenzland, das jetzt zu Deutschland gehörte, nun so gefestigt war, dass die alte Tradition königlicher Besuche in Sydslesvig wieder aufgenommen werden konnte. Dieses bestätigte die friedliche Zusammenarbeit zwischen zwei demokratischen Gesellschaften, und viele Besuche wurden seitdem fortgesetzt.

Dronning Margrethe II. besuchte 1978 als erste Monarchin seit 114 Jahren die dänische Minderheit in Sydslesvig.

Am Dienstag, dem 3. September 2019, ist es eine 79-jährige Dronning Margrethe, die wie vor 41 Jahren die Wasserstraßengrenze erneut überquert. Sowohl in Neujahrsreden als auch durch zahlreiche Besuche hat sie im Laufe der Jahre gezeigt, dass die dänische Minderheit in Deutschland ihre Gedankenwelt stark beschäftigt.

„Denken Sie nur an ihre Neujahrsansprachen. Ihr Vater, Frederik IX., erwähnte die südlich der Grenze lebenden Dänen nie. Sie hingegen hat auch diese Dänen in ihre Neujahrsreden aufgenommen“, sagt Lars N. Henningsen. Seiner Meinung nach muss der Besuch der Königin auch als Beginn der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der Wiedervereinigung Dänemarks 1920 gesehen werden.

„Nordslesvig und Sydslesvig werden im nächsten Jahr im Mittelpunkt des dänischen Interesses stehen, und die Königin wird zu vielen Veranstaltungen kommen. Aber Sydslesvig darf nicht vergessen werden, und die dänische Minderheit hat in der Geschichte für das Land und für Dänemark viel bedeutet. Daran müssen wir erinnern“, sagt er.

TV SYD+ präsentiert einen Dokumentarfilm über den offiziellen Besuch von Königin Margrethe im Jahr 1978. Er wurde von Ebbe Larsen im Auftrag der Sydslesvigsk Forening (Südschleswigschen Vereinigung) angefertigt. Er berichtet vom Besuch des Regentenpaares, Dronning Margrethe II und Prins Henrik, in Sydslesvig – vom Grenzübergang Frøslev bis zur königlichen Yacht, die am Abend des 14. Juni den Flensburger Hafen verlässt.

Der 13. Juni 1978 wurde ein Jubiläumsdatum für die Dänen in Sydslesvig. Zum ersten Mal seit 1864 konnte ein dänischer Regent die dänische Bevölkerung in der Region wieder besuchen. In Berichtsform porträtiert ein Dokumentarfilm den Besuch des Regentenpaares 1979 in Sydslesvig – vom Grenzübergang bei Frøslev bis zum Verlassen der königlichen Yacht aus dem Flensburger Hafens am Abend des 14. Juni.

von

Günter Schwarz – 31.08.2019