Die „Fridays for Future“ Bewegung ist inzwischen um die Welt gegangen und wird begeistert von einer Jugend transportiert, denen man in der Vergangenheit mangelndes politisches Interesse vorwerfen konnte. Dies mag sich im Zuge der Bewegung verändert haben. Wir reden allerdings immer noch von einer Jugend, die zwar in der Lage ist, Texte zu lesen, sich jedoch schwer damit tut, diese Texte dann auch zu „verstehen“.

Dieses zumindest verriet eine Studienrätin in einem persönlichen Gespräch. Der Jugend fehlt es nicht nur an Lebenserfahrung, sondern auch „komplexe Prozesse“ nachvollziehen zu können oder Sachverhalte zu differenzieren. Dies soll nun nicht unbedingt ein erhobener Zeigefinger in Richtung einer engagierten Jugend sein, denn den meisten Erwachsenen in diesem Land fehlen diese Fähigkeiten ebenso komplett.

In schwierigen Fragen bediente sich die Philosophie oft sog. „Gedankenexperimenten“, mit deren Hilfe sich schwierige moralische und ethische Fragen besser erfassen lassen. Es mag also unter Umständen sogar vernünftig sein, lautstark eine CO2-Abgabe zu fordern. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Konzerne diese Zusatzsteuer 1:1 auf den Endverbraucher schlagen und welche Auswirkung hat dies für einen Haushalt, der sich schon jetzt kaum die Energieversorgung leisten kann?

Leben ohne Strom ist keine Seltenheit in diesem schönen Lande. Im vergangenen Jahr betrug die Zahl der stromgesperrten Haushalte um die 250.000. Im laufenden Jahr dürfte diese Zahl gestiegen sein und es fällt schwer zu glauben, dass Energiekonzerne eine CO2-Abgabe aus eigener Tasche finanzieren. Solche „Szenarien“ ließen sich leicht in Gedankenexperimenten umreißen à lá: „Was passiert dann…?“ Wir fordern eine Co2-Steuer, der Strom wird teurer. Was passiert dann?

Sämtliche Klimaaktivisten sollten aufgerufen werden, sich mit solchen philosophischen Gedankenexperimenten zu beschäftigen. Dies nützt nicht nur ihrer „Sache“, sondern böte auch eine Möglichkeit in anderen Situationen, differenzierter mit Themen umzugehen. An dieser Stelle wünschte man sich so eine Denkfähigkeit auch von einigen Politikern oder Volksvertretern. Das Prinzip von Ursache und Wirkung betrifft tatsächlich jedes politsche oder auch soziologische Problem, vor dem dieses Land nun steht.

Insbesondere wenn sich Wirkungen nicht schwer voraussagen lassen, empfiehlt es sich, einen bisher festgelegten Kurs zu überdenken. Er muß u. U. noch nicht einmal geändert werden – wohl aber verdienen solche Entscheidungen, reiflich überlegt zu sein. Und das beträfe einen Herrn Spahn ebenso wie hunderttausende begeisterte Klimaaktivisten, die allesamt vermutlich noch nie selbst eine Stromrechnung bezahlt haben, geschweige denn wissen, wie es ist, im Winter aus Angst vor der Gasrechnung zu frieren, oder das Handy an öffentlichen Steckdosen in Cafés aufzuladen und dann bis zum nächsten Tag „irgendwie“ klarzukommen.

Zu bemängeln ist auch nicht das Engagement der Schüler. Sehr wohl aber die dieser Generation angeheftete Dekadenz. Eine Disziplin, die auch in Regierungskreisen eifrig praktiziert wird. Hier helfen Gedankenexperimente, da diese geeignet sind, Sachverhalte auch von vollkommen anderen Perspektiven aus zu betrachten. Dieser Gedanke lässt sich nun kaum nachholen.

Sehr wohl aber ließe er sich auf kommende Generationen legen. Kinder zum „Nachdenken“ anregen… bei denen, die da auf der Straße rumlaufen es scheißegal ist, ob Opa Bölke sich den Strom noch leisten kann oder Freiberufler eher frieren als heizen, ist der Drops schon gelutscht. Wir hoffen sehr, dass die Politik solche Zusatzabgaben „reguliert“, bzw. den Konzernen klare Grenzen aufzeigt, sie auf Endverbraucher auszuwalzen. Bei unserer lobbyistenverseuchten Regierungskaste ist das eher unwahrscheinlich, doch die Hoffnung stirbt zuletzt.