Es ist absurd, dass Johnsville Rasmussen darum kämpfen muss, seine dänische Staatsbürgerschaft zu beweisen, da er schon rund 65 in Dänemark lebt und nahezu sein Leben lang einen dänischen Pass hatte.

Das sagen viele Politiker in Christiansborg über den Fall, dass die dänische Staatsbürgerschaft des 69-jährigen Architekten plötzlich ungewiss geworden ist. Der 69-jährige John Ville Rasmussen wurde von dänischen Eltern in Venezuela geboren, kam aber mit 4 Jahren nach Dänemark und lebt seitdem in Dänemark.

Er hat im Land seinen Schul- und Studienbschluss gemacht, wurde zum Militärdienst einberufen und hat in Dänemark gearbeitet und eine Familie gegründet. Aber jetzt fordert die Einwanderungsbehörde Johnsville Rasmussens Geburtsurkunde und die Original Heiratsurkunde seiner Eltern, um zu nachzuweisen, dass sie Dänen waren.

Niemand und keine Behörde forderte bisher in Johnsville Rasmussens Leben, die fast 70 Jahre alten Dokumente vorzulegen. Wahrscheinlich, weil die Geburtsurkunde in Venezuela ausgestellt wurde.

Es ist nach Andreas Steenberg, Sprecher der rechtsliberalen Partei Venstre, der wie viele, die dem Fall bekannt geworden sind, über die Einwanderungsbehörde nur ihr Erstaunen äußern. „Ich denke, es ist eine der verrücktesten Forderúngen, die ich je gehört habe. Einem Mann, der seit 60 Jahren in Dänemark lebt, wird plötzlich nicht glaubt, dass seine Eltern Dänen waren“, sagt er.

Wenn Johnsville Rasmussen nicht zugestanden wird, seine Staatsangehörigkeit zu behalten, ist es ungewiss, was es für ihn und seine Familie bedeutet. Seine Frau ist Amerikanerin und hat seit 1988 eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, weil ihr Ehemann dänischer Staatsbürger war. Beide Kinder des Ehepaares haben von ihrem Vater die dänische Staatsbürgerschaft erhalten.

Seine Töchter hätten auch einen Pass der Vereinigten Staaten erhalten können, doch John Ville Rasmussen ließ bei ihrer Geburt seine dänische Staatsbürgerschaft von den dänischen Behörden bestätigen, was ihm seinerzeit problemlos gelang.

Das Mitglied des Bürgerrechtsausschusses der linksgrünen Socialistisk Folkeparti, Halime Oguz, stimmt der Kritik an der Einwanderungsbehörde zu und will die Angelegenheit mit Außen- und Integrationsminister Mathias Tesfaye (Socialdemokraterne) besprechen.

„Ich werde versuchen, ein Gespräch mit dem Minister Einwanderungsbehörde aufzunehmen und versuchen herauszufinden, nach welchen Vorschriften wir unser Ausländerrecht organisiert haben, denn wenn diese Regelungen ganz normale dänische Bürger treffen können, sind sie nicht richtig organisiert“, meint sie.

Der Sprecher der rot-grünen Enhedslisten, Peder Hvelplund, will sich auch mit den gesetzlichen Regeln befassen, um ähnliche Szenarien zukünftig zu vermeiden. „Es ist eine völlig absurde Situation, in die der Bürger geraten ist. Sie zeigt allerdings nur eine gesetzliche Regel und mit welchem Nachdruck und Eifer das Gesetz heute ausgelegt wird“, sagt er.

Tatsächlich ist Peder Hvelplund der Ansicht, dass bereits eine Vereinfachung der Vorschriften für den Zeitraum der Geburt geplant war, da die Regierung und ihre Unterstützungsparteien in diesem Sommer ein sogenanntes Einigungspapier unterzeichnet haben, das den allgemeinen Rahmen für die Zusammenarbeit der Parteien festlegt. „In der Tat heißt es im ,Einigungspapier‘, dass überflüssige Bürokratie und sinnlose Regeln beseitigt werden müssen, und dieses gilt auch für das Ausländerrecht. Dieses ist ein klares Beispiel dafür, dass einige Regeln keinen Sinn machen“, sagt Peder Hvelplund.

Jan E. Jørgensen, Rechtspolitischer Sprecher der Partei Venstre, stimmt zu, dass der Fall von John Ville Rasmussen problematisch ist, glaubt jedoch nicht unbedingt, dass die Regeln in diesem Bereich geändert werden sollten. „Ich kann nicht sagen, dass eine Gesetzesänderung erforderlich ist, da es ein Einzelfall ist, in dem die Dinge unangenehm aussehen“, sagt er.

Nach seiner Ansicht muss man sich die Praxis der Einwanderungsbehörde genauer ansehen, wenn sie die Fälle bearbeitet. „Es klingt ziemlich bürokratisch. Wenn er seit 60 Jahren einen dänischen Pass hat, sollte das Ministerium in der Lage sein, zwei und zwei zu addieren und zu berechnen, dass er sehr wahrscheinlich ein dänischer Staatsbürger ist“, sagt Jan E. Jørgensen.

Der Fall von John Ville Rasmussen ist nun seit zwei Jahren anhängig. Jan E. Jørgensen kann jedoch nicht verstehen, dass sich der Fall so in die Länge streckt. „Wenn wir solche Fälle in der Einwanderungsbehörde hatten, haben wir fast immer gesagt, dass sie dänische Staatsbürger werden, weil solche Fehler die Menschen nicht gefährden sollten. Ich verstehe nicht, dass es so lange dauert“, sagt Jan E. Jørgensen.

Einwanderungs- und Integrationsminister Mattias Tesfaye erkennt an, dass der Fall der Staatsbürgerschaft von John Ville Rasmussen bemerkenswert ist. „Ich finde es absurd, dass ihn in der Vergangenheit niemand um Dokumentation gebeten hat“, sagt der Minister.

Er glaubt jedoch nicht, dass es Fehler bei der Bearbeitung des Falls gibt oder dass neue gesetzliche Bestimmungen erforderlich sind. „Ich denke, wir sind in einer Situation, in der die Gesetze vernünftig sind, und dann kommt ein einziger Fall, bei dem man sich an den Kopf fassen muss und sich fragt: ,Kann es wirklich so sein?’“ sagt Mattias Tesfaye. Aber er glaubt nicht, dass John Ville Rasmussen aus irgendeinem Grund befürchten sollte, dass er oder seine Familie ihre Aufenthaltserlaubnis verlieren.

„Es wird eine Stimmung geschürt. Hier geht es darum, ob er einen Nachweis seiner Staatsbürgerschaft erbringen kann. Es geht nicht darum, dass er und seine Familie ausgewiesen werden“, sagt Mattias Tesfaye.

Auf die Frage, ob er John Ville Rasmussen die Garantie geben kann, dass er nicht riskiert, das Land verlassen zu müssen, antwortet der Minister: „Es versteht sich von selbst, dass ich es nicht garantieren kann. Sein Fall wird durch die Gesetze geregelt, die seit vielen Jahren gelten und mit denen die überwiegende Mehrheit zufrieden ist, und er erhält die gleiche angemessene Behandlung wie alle anderen Bürger. Ich wäre in keiner Weise besorgt darüber, dass er ausgewiesen werden sollte.“

von

Günter Schwarz – 16.01.2020