Eine Meeresschildkröte und ein Seepferdchen sind nur zwei der Funde, die an der dänischen Westküste angespült wurden. Das Jahr hat gerade erst begonnen, aber Touristen und Biologen an der dänischen Westküste haben bereits die Augen geöffnet, wobei sie eine Reihe ungewöhnlicher Meeresfunde erblickten.

Am Strand von Vejers und auf der Halbinsel Skallingen in der Kommune Varde wurden unter anderem eine lebende Meeresschildkröte, ein Seepferdchen, ein Mondfisch und ein Haufen Entenmuscheln gefunden. Die vielen spektakulären Funde haben auch den Biologen und Naturschutzbeauftragten Peter Skødt Knudsen überrascht.

„Am Vejers Strand wurde vor einigen Tagen ein Seepferdchen angespült. Es ist sehr selten, dass wir Seepferdchen in dänischen Gewässern sehen. Letztes Jahr fanden wir eines im Kalundborg-Fjord. Aber ansonsten ist es ungefähr 50 Jahre her, dass Seepferdchen zuletzt in Dänemark gesehen wurden“, sagt Peter Skødt Knudsen.

Peter Skødt Knudsen hält es jedoch für einen Zufall, dass die verschiedenen seltenenen Meeresbewohner nahezu im selben Zeitraum an Land gespült wurden.

Am 4. Januar fand eine Gruppe deutscher Touristen einen seltenen Fund südlich von Blåvandshuk, einer zwei Kilogramm schweren Meeresschildkröte der Art Unechter Karette (Caretta caretta). Die Meeresschildkröte lebte noch, und es ist ziemlich ungewöhnlich, sagt der Biologe Peter Skødt Knudsen. Normalerweise überstehen sie die dänische Winterkälte nicht.
Die Meeresschildkröte wurde schnell in den Blåvand Zoo gebracht, wo sich Tierpfleger darum kümmerten, bis sie von Experten des Aquariums Den Blå Planet aus Kastrup abgeholt wurde. Hier wurde sie gegen Lungenentzündung und Dehydration behandelt und wo sie sich auf dem Weg der Genesung befindet. „Sie hat einige Antibiotika erhalten und scheint sich zu verbessern. Sie hat sowohl gegessenund ist auch wieder mobil, und das sind immer gute Zeichen“, sagt er. Meeresschildkröten hören auf zu fressen, wenn sie abkühlen, und laut dem Biologen nehmen sie den größten Teil ihrer Körperflüssigkeit über das Futter auf.
Ein Stück Treibholz, das am Børsmose Strand gefunden wurde, war von einer großen Gruppe von Langhalse bewachsen, die in Deutsch als Entenmuscheln (Pollicipes cornucopia) bezeichnet werden. Laut Peter Skødt Knudsen ist der Langhals ein Krebstier, das normalerweise in den Tiefen im Ostatlantik lebt und in der Arktis brütet. Möglicherweise setzen sie sich aber auch auf Treibholz oder Fanggeräten und kommen so hinaus in die ganze Welt. Daher können Langhalse, die am eigentlich nahe des Nordpols leben, auch in Afrika enden und manchmal auch in Dänemark.
„Die Leute sind normalerweise sehr überrascht, was zum Teufel es für ein Tier ist. Denn sie sehen einfach so mysteriös aus. Es sieht aus wie ein Haufen schlaffer Penisse, könnte man sagen“, sagt Peter Skødt Knudsen.
Am Vejers Strand tauchte ein kleines Seepferdchen aus dem Meer auf. Laut Peter Skødt Knudsen sind Seepferdchen in dänischen Gewässern sehr selten anzutreffen. Abgesehen von einem Fund im Kalundborg-Fjord im letzten Jahr ist es 50 Jahre her, dass Seepferdchen zuletzt in Dänemark gefunden wurden.
Peter Skødt Knudsen vermutet, dass das Seepferdchen aus dem Ärmelkanal stammt, einem seiner nördlichsten Verbreitungsgebiete. Dann wurde es durch den Jütland-Strom nach Dänemark getrieben und konnte kein Zuhause mehr finden.
BILD: Meerestiere-g – In Skallingen wurde ein Seehase gefunden, der zwischen 50 und 60 Zentimeter lang war. Laut Peter Skødt Knudsen können sie so groß wie Nashörner sein und über zwei Tonnen wiegen.
In Skallingen wurde ein zwischen 50 und 60 Zentimeter langer Seehase gefunden. Laut Peter Skødt Knudsen können sie so groß wie Nashörner sein und über zwei Tonnen wiegen.
Der Biologe sagt, dass die Anzahl der Mondfische (Mola mola) in Dänemark, die hier im Winter stranden, leicht angestiegen ist. Normalerweise schwimmen die Mondfische im Kattegat, wo das Wasser im Sommer warm ist. Danach schwimmen sie nach Süden, wenn es kalt wird. Es kommt jedoch vor, dass sich der Mondfisch nicht aus den dänischen Gewässern wegbewegen kann, zum Beispiel wenn er von einem kalten Strom gefangen wird. Dann sterben sie an Unterkühlung und werden an die Strände gespült.

von

Günter Schwarz – 17.01.2020