Während Politiker noch über einen möglichen Grenzdurchlass für Touristen diskutieren, wobei besonders von dänischer Seite einer Grenzöffnung Vorbehalte entgegenstehen, hat mindestens ein Däne bereits begonnen, von einer Wochenendreise nach Deutschland zu träumen.

Die Lastwagen rasen in Sønderjylland (Südjütland) über die Grenze, um Waren zu liefern und abzuholen. Aber wenn das Auto mit einer Wochenendreisetasche und dem Traum von einem Spaziergang im Süden gepackt ist, muss man wieder umdrehen, weil man nicht über die Grenze kommt.

Dieses ist seit dem 16. März der Fall, als Deutschland wie Dänemark seine Grenzen schloss, nachdem Dänemark sie schon zwei Tage zuvor geschlossen hatte. Aber nachdem die großen Schüler die Schulen wieder betreten, die Einkaufszentren wieder öffnen und die Heimarbeitsplätze vermehrt wegfallen, ist die Rede von einer möglichen Grenzöffnung erneut aufgeflammt.

Und dieses hat Bodil Kolding-Jacobsen veranlasst, sich mit der Frage zu beschäftigen: „Sollten wir uns unter Quarantäne stellen, wenn wir nächste Woche die Möglichkeit haben sollten, Wochenendaufenthalte in Deutschland zu verbringen?“

Leider, Bodil, kann die Frage nicht beantwortet werden, solange wir nicht wissen, ob und unter welchen Bedingungen die Grenze tatsächlich wieder geöffnet wird. Im Moment fordert das dänische Außenministerium jeden „nachdrücklich“ auf, nach der Rückkehr aus einem beliebigen Land 14 Tage zu Hause zu bleiben. Und auch, dass Sie nach der Rückkehr nach Hause „den Ratschlägen der Sundhedsstyrelsen (Gesundheitsamt) zur Begrenzung der Ausbreitung von Infektionen in der Kommune genau folgen“.

Mit anderen Worten, es gab nie eine bestimmte Quarantäneforderung, wie dieses in einer Reihe anderer Länder der Fall war. Das Außenministerium rät jedoch weiterhin von unnötigen Reisen nach Deutschland und in alle anderen Länder ab.

Andererseits machte Deutschland vor einer Woche Schlagzeilen und machte sich Sorgen, als sich herausstellte, dass der Infektionsdruck im Land gestiegen war und nun über der kritischen Grenze von eins liegt. Das heißt, jeder Koronapatient infiziert jetzt durchschnittlich mehr als eine Person, und das ist leider das Rezept, wie die Pandemie nicht ausgerottet werden kann.

„Der Infektionsdruck hat zugenommen, nachdem eine Reihe von Beschränkungen gelockert wurden“, sagte das Robert Koch-Institut (RKI) am vergangenen Wochenende. Das RKI ist die staatliche Einrichtung für Infektionskrankheiten und vergleichbar mit dem dänischen Statens Serum Institut.

Es gibt auch nicht so hohe Infektionszahlen in Dänemark wie beim Nachbarn im Süden. Allein in Hamburg sind mit 5.017 halb so viele infiziert wie in ganz Dänemark mit 10.858 Personen. Auf der anderen Seite sind Deutschland und Dänemark in Bezug auf die relative Zahl der Todesfälle nahezu identisch. Nach Angaben der Johns Hopkins University hat Deutschland bisher 95 Menschen pro 1 Million Einwohner, die an Korona gestorben sind. In Dänemark sind es 93.

Viele Länder in der EU arbeiten derzeit an unterschiedliche Lösungen, wie sich EU-Bürger wieder zwischen Ländern innerhalb der EU-Grenzen bewegen können. Am weitesten vorne liegen die drei baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen, die ihre Grenzen zueinander geöffnet und alle Quarantäneregeln abgeschafft haben. Es geschah in der Nacht zum Freitag und wurde „Europas erste Reiseblase“ genannt.

Einige, darunter der spanische Minister für Industrie, Handel und Tourismus, Reyes Maroto, halten es für wichtig, dass die EU einen gemeinsamen Plan erstellt, wie sich die Bürger wieder bewegen können. Thierry Breton, EU-Kommissar für Binnenmarkt und Tourismus, hat jedoch erklärt, dass es „wahrscheinlich“ ist, dass einige Teile der EU für Touristen geöffnet werden, während andere geschlossen bleiben. Gleichzeitig hat die Europäische Kommission vorgeschlagen, dass die EU-Länder ihre Grenzen je nach Infektionszahlen kontinuierlich öffnen und schließen können.

In der kommenden Woche – und spätestens am 1. Juni – werden wir klarer sehen, was mit Dänemark und der deutschen Grenze passiert. Und damit, ob Bodil Kolding-Jacobsen die erhoffte Wochenendreise nach Deutschland antreten kann.

von

Günter Schwarz – 17.05.2020