(Holstebro) – Entgegen den Ankündigungen der Regierung hält es der sozialdemokratische Bürgermeister von Holstebro für gerechtfertigt, deutsche Touristen ins Land zu lassen.

Die Regierung ist auf großen politischen Widerstand gegen die Frage gestoßen, wann es gerechtfertigt ist, die dänischen Grenzen wieder zu öffnen. Ausländische Touristen sind immer noch nicht willkommen. Und das ist alles andere als gut, meint der sozialdemokratische Bürgermeister von Holstebro, H.C. Østerby.

„Es ist schrecklich für die ganze Branche. Es ist schrecklich für die Ferienhausvermietung. Sie blutet jetzt enorm. Die Folge ist, dass viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Branche hat bereits einen riesigen Umsatzverlust. Je früher wir das stoppen können, desto besser“, heißt es vom roten Bürgermeister.

Daher ist es erwünscht, dass deutsche Touristen, die einen Mietvertrag für ein Ferienhaus vorlegen können, die Westküste genießen dürfen. „Die Deutschen beleben den Ort und geben Geld im Einzelhandel aus, was in diesem Jahr völlig weggefallen ist. Daher ist es ein großes Manko, und ich hoffe, dass die Grenze bald für deutsche Touristen geöffnet wird“, sagt H.C. Østerby.

Der sozialdemokratische Bürgermeister ist mit dieser Haltung weit davon entfernt, allein zu sein. Zusammen mit den Akteuren der Partnerschaft für Westküstentourismus hat der Bürgermeister einen Brief geschrieben, in dem er der Statsministerin ihre Position darlegt. „Wir üben überall Druck aus – und bleiben dran. Niemand kann bezweifeln, wie viel dieses für den Westküstentourismus in Dänemark bedeutet. Es ist ein Fakt, dass er wirklich sehr, sehr leidet“, sagt H.C. Østerby.

Die schrittweise Wiedereröffnung der dänischen Grenzen hat viele Debatten ausgelöst. Nach der jüngsten Debatte einigten sich die Parteiführer Mittwoch darauf, die zweite Phase der Wiedereröffnung Dänemarks aufzuschieben. Dieses bedeutete unter anderem, dass die Liste der für die Einreise nach Dänemark „würdigen Zwecke“ ab dem 25. Mai zwar ein wenig erweitert wird, so dass beispielsweise Ausländer, die ein Ferienhaus im Land besitzen, einreisen dürfen. Alle anderen deutsche Touristen sind jedoch immer noch nicht willkommen.

Die vestjyske (westjütländische) Abgeordnete Annette Lind der Socialdemokraterne, Mitglied des Ausschusses für Außenpolitik, versichert, dass vor dem 1. Juni eine Klarstellung erfolgen wird. „Ich kann die Frustration verstehen, und es gibt nichts, was für eine Sekunde länger als unbedingt notwendig geschlossen werden sollte. Es gibt einen Dialog mit den Nachbarländern, und wir haben viel geöffnet. Aber wir müssen es verantwortungsbewusst tun“, sagt sie.

Der Bürgermeister von Holstebro stimmt seinen Parteifreunden in Christiansborg insofern zu, dass eine kontrollierte Wiedereröffnung der Grenzen wichtig ist. Dennoch hält er es für gerechtfertigt, die deutschen Touristen, die einen Mietvertrag für ein Ferienhaus haben, ins Land zu lassen. „Die Deutschen sind uns sehr ähnlich und kennen die Probleme, wenn sie auftauchen, weil sie denselben Peoblemen ausgesetzt waren und sind. Ich denke, dass wir gleich denken und dass vielleicht nur die Sprache den Unterschied ausmacht.“

Wenn es in diesem Sommer an der Westküste Jyllands (Jütlands) keine deutschsprachigen Touristen gibt, sehen wir laut H. C. Østerby nur die Spitze eines Eisbergs. „Dann ist es eine ganze Branche, in der noch mehr Schaden angerichtet wird. Es wird mut Bestimmtheit weitere Entlassungen und weitere Insolvenzen geben. Daran besteht kein Zweifel!“ sagt er.

Die Ausweitung der zweiten Phase der Wiedereröffnung bedeutet auch, dass ausländische Freunde und Großeltern über die Grenze reisen dürfen, genau wie Geschäftsleute nach und aus Dänemark reisen können.

von

Günter Schwarz – 23.05.2020