Ribe trägt seine Geschichte in sich – und macht es leicht, ein Teil davon zu werden.

Ribe: Wer neu nach Ribe kommt, kann in dieser Stadt oft plötzlich das Gefühl bekommen, nicht fremd zu sein. Auch wenn der Umzug schon vor über zehn Jahren stattfand, wirkt Ribe mit seinen Menschen, Orten und Traditionen manchmal wie ein Neuanfang: In den Augen vieler Touristen gehört man ganz selbstverständlich zu den Einheimischen. Dabei ist bekannt, wo die Sturmflutsäule verläuft, wann die Vögel zurückkehren und natürlich auch, wo die Wikinger leben. Doch sobald bestimmte Ereignisse ins Spiel kommen – etwa eine Teilnahme an einer Übergabe in der Kathedralschule von Ribe oder der Besuch des Tulpenfests – beginnt das Erleben von Ribe erneut, als wäre man zum ersten Mal dort.

Gerade in der Verbindung von Tradition und Gegenwart zeigt sich, wie sehr die Geschichte die Menschen prägt – und wie diese Verankerung auch in die Zukunft hineinwirkt. In den ersten Jahren wirkte das Tulpenfest wie ein Rätsel: Während die Ripensers, die begleiteten, innehalten und bekannte Gesichter treffen konnten, stand das Ankommen dort zunächst im Zeichen des Unvertrauten. Mit der Zeit wurde jedoch auch dieser Ort selbstverständlich: Eine Pause vom Tulpenfest wurde irgendwann beendet, und auch dort wurden wieder Bekannte getroffen. In diesem Jahr kam mit dem „Volkstreffen zu Ansgar“ eine zusätzliche, stimmige Ergänzung hinzu.

Erstmals saß man dieses Jahr im warmen, wunderschönen Innenhof der Domschule und wartete darauf, dass das Kind die Urkunde für drei Jahre Fleiß entgegennahm. Dabei berührte besonders der persönliche Teil: Ein Kind, das zum jungen Erwachsenen geworden war, geht nun seinen Weg in die Welt außerhalb der Schule. Ebenso berührte die Schule selbst – die Domschule Ribe. Ein Ort mit historischer Seele, die in den Gebäuden spürbar bleibt, in den verliehenen Stipendien weiterlebt, in gesungenen Liedern hörbar wird und im Ripensersamfundet einen Ausdruck findet. Wenn sich die Gemeinschaft mit den diesjährigen Jubilaren zum Umzug trifft, wird die Verbindung zur Vergangenheit unmittelbar sichtbar.

Auch der Blick auf die eigene Schulzeit zeigt, wie Traditionen wirken können: Ein eher junges, vergleichsweise kleines Gymnasium bot ebenfalls besondere Gewohnheiten – darunter die dreijährige Fahrt nach Brüssel für alle, damit während der Schulzeit einmal die EU-Regierung hautnah erlebt werden konnte. Erinnerungen bleiben dabei besonders lebendig, manchmal an ganz unterschiedliche Erlebnisse gekoppelt: an viele Biersorten, an die Kutschfahrt, an den Nacktlauf oder das Bad im Brunnen. Und ebenso bleibt vorstellbar, wie es für Schulkinder sein kann, eine Kantate zu singen, die anlässlich des 800-jährigen Schuljubiläums 1945 entstanden ist – auf einem Bauernhof, der sogar noch länger existiert. Ergänzt wird das Ganze durch einen Ehemaligenverein, der Stipendien an neue Schüler vergibt und zugleich die feiert, die vor langer Zeit ebenfalls Teil der Schule waren.

Nicht immer ist erkennbar, wie eng die lokale Verankerung mit Geschichte verbunden ist, nur weil ein Ort allgegenwärtig ist. Auch wenn hier zunächst die Kathedralschule von Ribe als Kulturträgerin gewürdigt wird, ist sie nicht die einzige. Viele Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen tragen die Kultur Ribe’s auf ihre Weise – und könnten ebenso Anerkennung erhalten.

So entsteht trotz anfänglicher Fremdheit ein Zugehörigkeitsgefühl: Ribe hat einen langen Blick in die Vergangenheit, schafft ständig neue Traditionen – etwa das Austern- und das Kinderfest als Beispiele für die jüngeren Ereignisse – und heißt jedes Jahr zahlreiche Gäste willkommen, die zum ersten Mal in Ribe sind. In dieser Mischung wird es leicht, sich wie ein Einheimischer zu fühlen.

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