Der botanische Garten an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel steht etwa 14 Tage vor der Kieler Woche nach 2012 und 2014 zum dritten Mal erneut vor einem wirklichen Highlight der Botanik, denn die größte Blume der Welt, der Titanwurz, steht abermals kurz vor ihtem Erblühen.

Allerdings müssen alle Schaulustigen, die sich dieser Ereignis Life ansehen möchten, einiges in Kauf nehmen und dürfen absolut nicht empfindlich gegen ungewöhnliche Gerüche sein, denn der erblühte Titanwurz riecht nicht nur „reichlich streng“, sondern er stinkt erbärmlich nach vergammeltem Fleisch. Mit dem Aasgeruch hat er sich den Verhältnissen im Urwald angepasst und will damit Insekten und Getier anlocken, die für die Bestäubung sorgen.

Die Titanwurz ist auf Sumatra beheimatet und wird bis zu drei Meter hoch. In Kiel hat es die 1997 aus Bonn gekommene Pflanze inzwischen auf 2,11 Meter geschafft. Eigentlich blüht die Pflanze nur etwa alle 15 Jahre – und immer nur, wenn sie genug Kraft dafür gesammelt hat. In Kiel scheint er ganz besonders gerne seine Sonnenseite zeigen zu wollen, denn hier blüht er momentan alle twei Jahre. Vielleicht bemerkte die Pflanze, dass sie die letzten Jahre nicht bestäubt wurde.

Es wird vermutet, dass der Titanzwurz hier relativ regelmäßig blüht, weil er jahrelang nicht bestäubt wurde und sich fortpflanzen möchte. Es sei zudem wichtig, den Besuchermagneten vor der Blüte mit Wasser zu umgeben, damit keine Lebewesen an die Knolle herankommen. In freier Wildbahn stirbt die Pflanze nach der Blüte häufig entkräftet ab, auch weil sie zu sehr angefressen wird.

Die Vorbereitungen im Biologischen Institut an der Chrisitan-Albrechts-Universität laufen auf Hochtouren. Bei der ersten Blüte 2012 war der Besucherauflauf so riesig, dass es ziemlich chaotisch wurde, denn lange Menschenschlangen drängelten sich durch die Gewächshäuser. Es kamen 12.000 Menschen, die das Ereignis persönlich in Augenschein nehmen wollten. Als die Blüte auch 2014 wieder ihre Pracht zeigte, war Sensations-Effekt weniger groß, aber die Universität konnte immerhin noch etwa 8000 Besucher zählen.

Wer sich allerdings Nasenqualen, Parkplatzsuche und sonstigen Rummel ganz ersparen will, kann dem „Feuerwerk der Blüte“ auch über eine Webcam beiwohnen. Die Öffnungszeiten für das Victoriahaus werden während der Blühphase besucherfreundlich angepasst. Die Pforten werden in der ersten Nacht bis 1 Uhr und am zweiten Tag von 9 Uhr bis 21 Uhr geöffnet sein. Wann es genau so weit ist, teilt die Universität über ihre Website und über Facebook mit.

von

Günter Schwarz – 01.06.2016