Frankreichs Präsident Hollande hat die tödliche Geiselnahme in einer Kirche als „schändlichen Terroranschlag“ verurteilt. Die beiden Täter hätten sich zum IS bekannt. Die Angreifer hatten einen Priester getötet und eine weitere Geisel lebensgefährlich verletzt, bevor sie von der Polizei erschossen wurden. Im Rahmen der Ermittlungen wurde eine Person festgenommen.

Einer der beiden getöteten Attentäter soll eine Fußfessel getragen haben. Wenn es die Person ist, die zu dieser Fußfessel „gehört“, so ist es ein Mann, der den französischen Sicherheitsbehörden bekannt war und der zum Umfeld der radikalen Islamisten zuzuschreiben war. Der 19-Jährige soll 2015 versucht haben, nach Syrien auszureisen und wurde erst im März diesen Jahres zur Bewährung aus dem Gefängnis entlassen.

Die Angreifer waren am Dienstagvormittag in die Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray eingedrungen und hatten fünf Geiseln genommen. Sie töteten den 84-jährigen Priester Jacques Hamel. Eine weitere Geisel, eine Ordensschwester, wurde sehr schwer verletzt und schwebe „zwischen Leben und Tod“, sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet.

„Ich schreie zu Gott“

Eine Ordensschwester konnte fliehen und alarmierte die Polizei. Diese erschoss die beiden Täter, als sie das Gotteshaus verließen – unter welchen Umständen, ist noch unklar. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Nach Angaben Brandets waren die Angreifer während oder am Ende der Morgenmesse in die Kirche gekommen.

„Ich schreie zu Gott“, sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte eine „barbarische Attacke“. „Ganz Frankreich und alle Katholiken sind verletzt worden. Wir stehen zusammen“, schrieb er auf Twitter. Staatschef François Hollande versprach den französischen Katholiken seine Unterstützung und setzte für Mittwoch ein Treffen mit den Vertretern der Glaubensgemeinschaften an. „Was diese Terroristen wollen, ist uns zu spalten. Wir sind mit einer Gruppe konfrontiert, dem Islamischen Staat, die uns den Krieg deklariert hat. Wir müssen den Krieg mit allen Mitteln führen, unter Beachtung des Rechts, da wir nun mal eine Demokratie sind.“

Papst: Sinnlose Gewalt

Auch Papst Franziskus zeigte sich überaus betroffen und verurteilte die Geiselnahme als „sinnlose Gewalt“. „Der Papst ist informiert und nimmt teil am Schmerz und am Grauen dieser sinnlosen Gewalt und verurteilt jede Form von Hass auf das Schärfste“, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

„Wir sind besonders betroffen, weil diese entsetzliche Gewalt mit der barbarischen Ermordung eines Priesters und mit der Beteiligung von Gläubigen in einer Kirche stattgefunden hat, einem heiligen Ort, wo die Liebe Gottes verkündet wird“, sagte Lombardi.

„Handschrift des IS“

Noch bevor sich Hollande zur Motivation der Täter äußerte, kamen Spekulationen über einen islamistischen Hintergrund auf. Der Anschlag „trägt ganz klar die Handschrift des IS“ erklärte Georges Fenech, der Präsident der parlamentarischen Untersuchungskommission zu den Attentaten von 2015. Wenige Stunden nach dem Vorfall erklärte die Islamisten-Miliz, zwei ihrer „Soldaten“ hätten den Angriff verübt.

Frankreich war in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder das Ziel schwerer Anschläge. Zuletzt tötete ein 31-Jähriger 84 Menschen, als er am Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf dem Strandboulevard von Nizza raste. Die Polizei erschoss den Mann. Seit den verheerenden Pariser Terrorattacken vom 13. November gilt im Land der Ausnahmezustand, in Paris patrouillieren teilweise schwer bewaffnete Soldaten.

von

Günter Schwarz – 26.07.2016