Nach dem gescheiterten Putsch vor drei Wochen trat Türkeis Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan eine Verhaftungswelle los. 60.000 Menschen wurden seitdem suspendiert oder verhaftet. Nun wurde auch eine deutsche Staatsbürgerin festgenommen.

Aus dem Auswärtigen Amt war am Freitag zu hören, dass die deutsche Botschaft in Ankara sich seit Tagen um Kontakt zu der Frau bemüht, bisher sei dies aber noch nicht gelungen. Weiter hieß es aus Berliner Ministerium, dass man darauf dränge, die Deutsche schnellstmöglich konsularisch betreuen zu können. Über die Identität der Frau waren zunächst keine Details in Erfahrung zu bringen. So ist unklar, warum sich die Frau in der Türkei aufhielt und ob sie dort dauerhaft lebt. Ebenso wenig ist bekannt, ob sie neben der deutschen auch die türkische Staatsangehörigkeit besitzt. Die Deutsche wird von den türkischen Behörden verdächtigt, zur Gülen-Bewegung zu gehören.

Hartes Vorgehen gegen Gülen-Bewegung

Seit dem Putsch-Versuch geht Erdoğan gegen die vom islamischen Prediger Fethullah Gülen geführte Bewegung vor. Bei der verhafteten Deutschen sollen Bücher gefunden worden sein, die auf Kontakte zur Gülen-Bewegung hinwiesen. Weitere Details über die Identität der Frau sind bisher nicht bekannt.

Wie die Bundesregierung in diesem Fall vorgeht, wollte das Auswärtige Amt nicht näher erläutern. Cornelia Ernst, Europaabgeordnete der Linken, sagte: „Wir verlangen die sofortige Freilassung der deutschen Staatsbürgerin und die klare Aufforderung dazu seitens der Kanzlerin an Erdoğan.“

Laut Ernst müsse endlich Schluss sein mit dem „Abducken der deutschen Regierung vor Erdoğan“. Schließlich seien die Freiheitsrechte der Bürger keine Verhandlungsmasse.

von

Günter Schwarz – 06.08.2016