Die Ukraine feiert den 25. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion mit einer großen Militärparade. Präsident Poroschenko nutzt die Gelegenheit für eine martialische Ansprache und bekommt Rückendeckung aus dem Westen.

Mit einer großen Militärparade hat die Ukraine den 25. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit gefeiert. Tausende Ukrainer versammelten sich im Zentrum der Hauptstadt Kiew. Viele von ihnen schwenkten die blau-gelbe Nationalflagge. Anders als im Vorjahr wurden bei der Parade auch schwere Geschütze und Panzer gezeigt.

Die Veranstaltung zur Feier des Parlamentsbeschlusses vom 24. August 1991 zum Austritt aus der Sowjetunion begann mit der ukrainischen Nationalhymne. Etwa 4000 Menschen, unter ihnen Soldaten, Polizisten, Grenzschützer und Nationalgardisten, defilierten durch Kiew. Erstmals nahmen auch Mitglieder der Spezialkräfte an der Parade teil, die von Kiews Hauptstraße zum Platz der Unabhängigkeit führte.

Der als Maidan bekannte Platz ist das Symbol der Demonstrationen für eine Annäherung der Ukraine an die Europäische Union und gegen den stärker an Russland orientierten damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Die Zuspitzung der Proteste führte im Februar 2014 zum Sturz Janukowitschs. Unter dessen Nachfolger Petro Poroschenko kam es zu einer bis heute andauernden militärischen Konfrontation zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und bewaffneten Einheiten im mehrheitlich russischsprachigen Osten der Ukraine. Kiew und der Westen werfen Russland vor, die prorussischen Kämpfer in der Ostukraine mit Soldaten und Waffen zu unterstützen. Moskau bestreitet dieses.

Poroschenko sagte in seiner Ansprache an die Menge in Kiew: „Nach zwei Jahren Krieg lässt sich sagen, dass der Feind seine strategischen Ziele nicht erreicht hat.“ Er fügte hinzu: „Diese Parade sendet ein Signal an unsere westlichen Partner, dass die Ukraine sich selbst verteidigen kann, aber weiter um Unterstützung bittet.“ Die Streitkräfte seien der Garant des Staates. Der Feind sei Russland, dessen Militärbudget um ein Vielfaches höher sei als das der Ukraine.

Anschläge auf der Krim?

Rückendeckung bekam Poroschenko aus den USA. Präsident Barack Obama gratulierte dem Volk der Ukraine zum 25. Jahrestag der Unabhängigkeit von der Sowjetunion. „Wie uns in den vergangenen Jahren vor Augen geführt wurde, ist der von der Ukraine eingeschlagene Weg nicht immer leicht gewesen“, heißt es in der Stellungnahme Obamas. Es habe Opfer gekostet, um die Unabhängigkeit Wirklichkeit werden zu lassen. Obama versicherte, die USA werde immer an der Seite der Ukraine stehen, wenn es darum gehe, deren Souveränität zu schützen und ihr Bekenntnis zur Demokratie und den Kampf gegen Korruption zu vertiefen.

Nach der Militärparade begann ein „Marsch der Unbesiegten“ mit freiwilligen Kämpfern und Ärzten, die in der Ostukraine im Einsatz waren. Auch Hinterbliebene von getöteten ukrainischen Soldaten waren daran beteiligt. Die Straßen säumten tausende Menschen in der Wischiwanka, dem bestickten ukrainischen Folklorehemd.

In jüngster Zeit hatten sich die ukrainischen Regierungstruppen und prorussische Kämpfer im Osten trotz eines Waffenstillstandsabkommens wieder verstärkt Gefechte geliefert. In dem Konflikt wurden bereits 9500 Menschen getötet. Auch eskalierte zuletzt der Streit um die Halbinsel Krim erneut, die von Russland nach einem Referendum der dortigen Bevölkerung im Sommer 2014 annektiert worden war. Die USA und andere westliche Staaten sehen die Annexion als Verletzung des Völkerrechts an und verhängten Strafmaßnahmen gegen Russland.

Moskau warf der Ukraine jüngst vor, auf der Krim Unruhe stiften zu wollen und heimlich bewaffnete Gruppen dorthin entsandt zu haben. Laut dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB wurden mehrere Anschläge auf der Krim vereitelt und „terroristische Saboteure“ festgenommen. Moskau verstärkte seine Militärpräsenz auf der Krim, die Ukraine versetzte daraufhin ihre Truppen in Alarmbereitschaft.

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Günter Schwarz – 25.08.2016