(København) – Dänemarks oberster Staatsanwalt hat jetzt entschieden, die 20-jährige Dressurreiterin Chung Yoo-ra in Verbindung mit dem Korruptionsskandal in Südkorea um die inzwischen abgesetzte Präsidentin Park Geun Hye auszuweisen und sie in ihr Heimatland zurückzuschicken. Dort wird ihr die Komplizenschaft in dem weit reichenden wirtschaftlichen Korruptionsskandal ihrer Mutter Choi Bald-sil und der ehemaligen Präsidentin vorgeworfen.

„Nach einer gründlichen Überprüfung des Falles und der aus Südkorea vorgelegten Unterlagen ist es unsere Schlussfolgerung, dass die Voraussetzungen für eine Auslieferung nach Südkorea erfüllt sind“, teilte der stellvertretende Vorsitzende der Staatsanwaltschaft (Rigsadvokat) Mohammad Ahsan in einer Pressemitteilung mit.

Südkorea hatte im vergangenen Dezember eine internationale Fahndung nach der jungen Sportlerin ausgerufen. Die hatte sich geweigert, nach Südkorea zu kommen, um dort im Korruptionsskandal rund um ihre Mutter auszusagen. Nach der Festnahme Chung Yoo-ras, die schließlich von südkoreanischen Journalisten auf einem Reiterhof bei Aarhus entdeckt worden war, stellte Südkorea ein Auslieferungsantrag an Dänemark, hieß es von der Staatsanwaltschaft. „Ich weiß, dass dieser Fall in Südkorea viel Aufmerksamkeit erlangt hat. Ich bin daher auch dankbar, dass die südkoreanische Justiz Verständnis für die Notwendigkeit gezeigt hat, uns die Zeit zu geben, um den Fall richtig und nach dänischem Recht zu bearbeiten und zu beurteilen“, sagte Ahsan.

Die Mutter der Dressurreiterin, Choi Bald-sil, hat es in Südkorea zu dem Spitznamen „der koreanische Rasputin“ gebracht, und sie steht unter Anklage, ihren Einfluss auf die Ex-Präsidentin missbraucht zu haben, um große Unternehmen im nordöstlichen asiatischen Land zu erpressen. Unter diesen von ihr erpressten Unternehmen soll sich neben vielen anderen auch die Samsung Corporation befunden haben.

Mit dem Geld aus den Erpressungen und aus Korruption der Mutter soll unter anderem der Kauf von Luxus-Pferden für Chung in Dänemark sowie anderen Ländern finanziert worden sein. Die 20-jährige Chung Yoo-ra gewann 2014 im Team Südkoreas bei den Asienmeisterschaften Gold im Dressurreiten. Neben Verwicklungen in den kriminellen Machenschaften ihrer Mutter wird der 20-jährigen Südkoreanerin zudem vorgeworfen, ihre Schulzeugnisse gefälscht zu haben. So wurde ihr nach Angaben aus Südkorea das High-School-Diplom bereits aberkannt, und auch ihr Studienabschluss an der renommierten Ewha-Frauenuniversität in Seoul steht derzeit in Frage.
 
Die seit dem 1. Januar in Untersuchungshaft befindliche Profi-Reiterin Chung Yoo-ra wehrt sich gegen eine Abschiebung in ihre Heimat und will sich nicht in ihr Heimatland abschieben lassen. Sie hat angekündigt, Klage vor dem höchsten dänischen Gericht, dem Højesteret in København, gegen ihre Ausweisung aus Dänemark einzureichen. Chung Yoo-ra verbleiben jetzt drei Tage, um gegen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft vor Gericht Widerspruch einzulegen.

von

Günter Schwarz – 17.03.2017