Ausländer erwirtschaften Milliarden für das dänische Finanzamt „Skat“
(København) – Egal, ob sie aus Deutschland oder Osteuropa nach Dänemark kommen: Einwanderer tragen beträchtliche Summen zum dänischen Haushalt und somit zum Wohlfahrtssystem bei. Mit dem Mythos vom „Wohlfahrtstourismus“ sollte endlich Schluss sein, meint deshalb Professorin Dorte Sindbjerg Martinsen von der Uni København.
Das Finanzministerium selbst hat es in einem neuen Bericht festgestellt: Einwanderer aus sogenannten „westlichen Ländern“, zu denen auch die Staaten Osteuropas zählen, sind für Dänemark ein gutes Geschäft. Sechs Milliarden Kronen (807 Millionen Euro) mehr stehen dem Staat durch sie zur Verfügung. Alleine die zugewanderten Bürger aus dem Gebiet der EU und Norwegen, Island sowie Liechtenstein tragen mit fünf Milliarden Kronen (672,5 Euro) bei, die Einwanderer aus den neueren EU-Ländern in Osteuropa haben daran einen Anteil von einer halben Milliarde Kronen.
Die Debatte um einen angeblichen „Wohlfahrtstourismus“ von Bürgern aus anderen EU-Ländern nach Dänemark könne damit zu den Akten gelegt werden, findet Professorin Dorte Sindbjerg Martinsen von der Uni Kopenhagen. „Die EU-Bürger aus Osteuropa waren lange der Prügelknabe in einer Debatte, in der viele sie bezichtigten, hierher zu ziehen, um von unserem Sozialsystem zu profitieren, aber diese Untersuchung bestätigt zum wiederholten Male, dass sie insgesamt mehr zur Wohlfahrt beitragen als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung“, sagt Martinsen.
Der Bericht des Finanzministeriums beruht auf den öffentlichen Einnahmen und Ausgaben des Jahres 2014. Der Bericht zeigt auch, dass die Einwanderer aus sogenannten nichtwestlichen Ländern weiter eine stark negative finanzielle Bilanz haben – 33 Milliarden Kronen (4,44 Milliarden Euro) kosteten sie Dänemark 2014. Doch, sagt Professor Bent Greve von der Uni Roskilde, das liege auch daran, dass mehr als 80 Prozent dieser Menschen jünger als 25 Jahre sind und somit nicht in der Altersgruppe, die traditionell erwerbstätig ist und somit Steuern bezahlt.
Bereinigt man die Ausgabenbilanz um die Ausgaben für die Nachfahren von Einwanderern aus nichtwestlichen Ländern, sinken die Ausgaben auf 16 Milliarden Kronen (2,15 Milliarden Euro), so Greve. „Und das bei einem Bruttonationalprodukt von insgesamt knapp 1.900 Milliarden Kronen (255,5 Milliarden Euro) in Dänemark“, sagt der Sozialwissenschaftler.
Auch Dänemarks Finanzminister Kristian Jensen, der den Bericht am Montag in København präsentierte, deutete die Zahlen positiv und sprach davon, dass alle Einwanderer zu einem Gewinn für das Land werden könnten. Er weist allerdings darauf hin, dass es sich um eine Momentaufnahme von 2014 handelt und es kein Dauerzustand ist. Im Jahr 2015 werden die Kosten höher sein, weil es ein massiver Zustrom von Asylbewerbern in diesem Jahr stattgefunden hat.
Laut Jensen müssten einige Kommunen einfach besser darin werden, Asylbewerber in Arbeit zu bringen. Er geht zudem davon aus, dass die Zahlen für 2016 deutlich positiver ausfallen werden, weil dort weniger Menschen Asyl beantragt haben und weil die Kommunen sich stärker darum bemüht hätten, Asylbewerbern Arbeitsplätze zu vermitteln.
von
Günter Schwarz – 11.04.2017