Eine Studie zeigt auf: Die Lage der Kinder und Jugendlichen in griechischen Flüchtlingslagern ist alarmierend. Erst kürzlich klagte Papst Franziskus nach seinem Besuch eines Lagers auf der Insel Lesbos über die Zustände in griechischen Flüchtlingslagern und ließ sich zu dem Vergleich hinreißen, diese mit Konzentrationslagern zu vergleichen, was nicht überall auf Gegenliebe und Verständnis stieß. Aber ganz Unrecht hat der Papst sicher nicht.

Die EU hat untersucht, wie Griechenland mit den Flüchtlingen fertig wird. Grundsätzlich funktionierten die Registrierzentren, die helfen sollten, den Andrang von Flüchtlingen auf den Ägäis-Inseln in geordnete Bahnen zu lenken. Geforderte Verbesserungen gibt es aber viele. Doch die sind nicht so schnell in Sicht. Die überfüllten Lager sind vor allem für unbegleitete Minderjährige ein großes Problem.

Immer wieder berichten Mädchen darüber, dass sie sich aus Angst vor Übergriffen nachts kaum auf die Toilette trauen. Abgesehen von der psychischen Belastung, die eine Flucht für ein auf sich gestelltes Kind ohnehin schon bedeuten dürfte, erhalten sie hier nur bedingt die nötige professionelle Zuwendung.

Es fehlt an Ansprechpartner, die ihre Sprache sprechen und Anleitungen, wie sie ihren Asylantrag stellen müssen. Meist mangelt es auch an einer altersgerechten Unterbringung. Die Kinder und Jugendlichen werden oft zusammen mit fremden Erwachsenen untergebracht. Vor allem für Mädchen ist es sehr schwierig, dass sie sich genügend von den männlichen Mitbewohnern abgrenzen können.

Die Harvard-Universität hat gerade eine alarmierende Studie vorgelegt, in der die Forscher von einer Epidemie sexueller Ausbeutung und Misshandlung von Flüchtlingskindern in Griechenland sprechen. Um ihre Schulden bei Schleppern zu bezahlen, bieten sie sich sowohl in den Großstädten wie auch in der Provinz für durchschnittlich 15 Euro an. Vorrangig sind das Jungen aus Afghanistan, Syrien, Irak und dem Iran. Oft könnten die Jugendlichen ihre Schulden dennoch nicht abbezahlen und verfallen dann auch noch der Drogensucht. Die Kinder und Jugendlichen haben also viele Probleme und viele von ihnen dürften tatsächlich Opfer von sexueller Gewalt werden.

Die Prüfer schlagen vor, in jedem Hotspot und Lager einen Kinderschutzbeauftragten einzusetzen. Das wäre zumindest ein Anfang, um eine Anlaufstelle zu bieten. Natürlich muss der Betreffende auch die jeweilige Sprache sprechen oder über ausreichend geschulte Dolmetscher verfügen.

Darüber hinaus muss es aber auch genügend Einrichtungen geben, die die Kinder von der Straße holen und dafür sorgen, dass sie ausreichend Zuwendung erhalten und versorgt werden. Vor allem: umfassender in Beschulungsprogramme und Sprachunterricht integriert werden. Man muss betonen, dass es eine ganze Anzahl solcher Einrichtungen gibt. Sie bemühen sich auch wirklich sehr. Aber es sind zu wenige. Meist werden sie von privaten Hilfsorganisationen betrieben, die schnell an ihre Grenzen stoßen. Es bedarf also auch hier einer besseren Koordination.

von

Günter Schwarz – 26.04.2017