Der Finanzminister Kristian Jensen hat es schwer, bei den Wählern anzukommen – und intern sitzen ihm Statsminister Lars Løkke Rasmussen und die rechtspopulistisch agierende Integrationsministerin Inger Støjberg im Nacken. Er ist Venstres Vize und damit offizieller Kronprinz der rechtsliberalen Regierungspartei, sofern der Schritt an die absolute Spitze nicht durch interne Schlachten verbaut werden sollte, wenn Parteiboss Lars Løkke Rasmussen mal von der Bühne abtritt. Das könnte durchaus bald sein, denn Beobachter meinen, dass der Staatsminister eine verlorene Wahl an der Spitze der Partei nicht überleben wird und damit als deren Staatsministerkandidat.

Jensen hätte sich beim internen Streit um die Macht 2014 schon fast gegen den amtierenden Statsminister Lars Løkke Rasmussen durchsetzen können. Aber bekanntlich zog Taktiker Løkke alle Register, überlebte und konnte sich im Juni 2015 in den Stuhl des Regierungschefs setzen. Aber Kristian Jensen – mit einer starken Lobby im Rücken – sitzt ihm im Nacken.

Aktuell könnte ihm eigentlich nur die so beliebte und auch gehasste (sogenannte) Integrationsministerin Inger Støjberg in den Weg zum Venstre-Thron in den Weg gestellt werden. Falls sie nicht über ihre aktuelle Affäre mit den „Kinderbräuten“ fällt. Støjberg lag bei der letzten Folketingswahl im gemeinsamen Großkreis Westjütland klar vor ihrem Parteivize mit insgesamt 20.380 Stimmen gegenüber 17.728. Aber Jensen hat noch ein weiteres großes Problem. Sein Stern bei den Wähler glänzt auch auf Landesebene immer weniger. In einer Umfrage von Analyse Danmark geben die Wähler ihm aktuell nur die Note 4 – und das zweite Jahr infolge hat er verloren, zumal er 2015 noch auf 4,6 kam. Im letzten Jahr war es die Note 4,2.

Das „politische Orakel“ Hans Engell meint gegenüber Avsien.dk, dass dieses ein Schlag in die Magengrube für Venstres Kronprinz ist. Der Wechsel vom Außen- ins Finanzministerium im November letzten Jahres habe es für den 46-Jährigen nicht leichter gemacht, sein Ansehen aufzupolieren. Engell dazu: „Kristian Jensen hat zwei Ministerposten gehabt, die eine fantastische Plattform waren und sind, um populär zu werden. Es ist, als ob er eine Persönlichkeit ist, die nicht richtig ankommt. Er signalisiert richtig viel Herninger Dorfstraße und wirkt wie ein Technokrat. Er ist nicht der große Seller in København.“

Dabei ist der Venstre-Vize aktuell immer mit positiven Neuigkeiten über eine vor Gesundheit strotzenden dänischen Ökonomie in den Medien. Trotzdem bekommt er nur eine mittelmäßige Note. Wahlforscher und Professor Kasper Møller Hansen von der Universität København denkt, dass die fallenden Noten für Jensen mit seinem Wechsel ins Finanzministerium zusammenhängen. Dort könne er nicht großzügig versprechen und verteilen, sondern müsse immer bremsen. Jensens Problem ist zudem, dass Løkke ihn in den Werten wieder einholt und auch in Venstre-Kreisen klar vor ihm liegt.

Die ungekrönte Königin der größten Regierungspartei ist aber Inger Støjberg. In der allgemeinen Analyse liegt sie hinter dem konservativen Justizminister Søren Pape Poulsen (Det Konservative Folkeparti / Konservative Volkspartei) auf Rang zwei der beliebtesten Minister.

Bei Venstre-Wählern ist Støjberg mit einer Note von 5,7 absolute Spitze, während Løkke da auf 5,5 kommt. Vize und Kronprinz Jensen wird mit einer Durchschnittsnote von 5,0 klar distanziert. Angesprochen darauf, ob sie in Sachen Nachfolge von Løkke Ansprüche stellt, meinte Inger Støjberg vor einiger Zeit, dass Kristian Jensen der natürliche Kandidat wäre…

von

Günter Schwarz – 03.07.2017