(Hamburg) – Vermummte Linksextreme und die Polizei hatten sich Strassenschlachten geliefert. Demonstranten aus dem „Schwarzen Block“ bewarfen Polizisten mit Flaschen und anderen Gegenständen. Die Polizei setzte Pfefferspray und Wasserwerfer ein. Nachdem die Veranstalter die „Welcome to Hell“-Demo für beendet erklärt hatten, waren am späten Donnerstagabend noch einzelne Scharmützel vor allen Dingen aus dem Schanzenviertel gemeldet worden.

Die Lage in Hamburg, dem Austragungsort des G20-Gipfels, hat sich danach beruhigt. Beobachter an den Brennpunkten des Abends bestätigten die Angaben. Die Polizei meldet mindestens 76 verletzte Polizisten, drei mussten im Krankenhaus behandelt werden. Auch unter den Demonstranten gab es zahlreiche Verletzte, deren Zahl ist unklar.

Etwa 1000 Vermummte hatten sich laut der Polizei am frühen Donnerstagabend, kurz nachdem der Protestzug in Bewegung kam, unter die rund 12.000 Demonstrierenden gemischt. Nach wenigen hundert Metern stoppte die Polizei den Zug. Sie begründete dies mit dem Vermummungsverbot.

Die Sicherheitskräfte teilten mit, sie hätten versucht, den „Schwarzen Block“ der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen. Dieses sei aber nicht gelungen, und Demonstranten bewarfen Polizisten mit Flaschen und zündeten Feuerwerkskörper.

Die Polizei setzte darauf Pfefferspray und Wasserwerfer ein. Sanitäter mussten Verletzte behandeln. Nach gut einer Stunde erklärte der Veranstalter den Protestzug für beendet. Die folgenden Auseinandersetzungen bei der Demo waren eine Eskalation mit Ansage.

Aus dem Demozug lösten sich im Anschluss immer wieder Gruppen, die in Nebenstraßen verschwanden. Schaufensterscheiben gingen zu Bruch. Laut Polizeipräsident Ralf Martin Meyer zogen viele Kleingruppen durch die Stadt und errichteten Barrikaden. Beamte seien angegriffen worden.

Nach Angaben der Veranstalter der Kundgebung sind auch zahlreiche Demonstranten verletzt worden, einige ernsthaft. Der globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilt zudem die Strategie der Polizei. Die Auseinandersetzungen bei der Demo waren eine Eskalation mit Ansage: Es ist offenkundig, dass die Demo nach dem Willen von Polizei und Senat nie laufen sollte.

Nach Polizeiangaben bildete sich auf der Reeperbahn am späten Abend ein neuer großer Demozug mit 8.000 Menschen. Die Kundgebung, die unter dem Namen „Recht auf Stadt und gegen Polizeigewalt“ neu angemeldet wurde, sei weitgehend friedlich verlaufen, so Augenzeugen.

von

Günter Schwarz – 07.07.2017