(Kiel) – Johannes Callsen ist Minderheitenbeauftragter der neuen „Jamaika“-Regierungskoalition in Kiel. Parteipolitische Neutralität und gute Beziehungen zu den vier Minderheiten der Friesen, den dänischen Südschleswigern, den deutschen Nordschleswigern und den deutschen Sinti und Roma in der dänisch-deutschen Grenzregion und darüber hinaus sind Grundlagen seiner Arbeit.

Als Minderheitenbeauftragter der Jamaika-Koalition (CDU, FDP und Grüne) in Kiel ist Johannes Callsen (CDU) seit der Regierungsbildung Ende Juni für die vier Minderheiten des Landes Schleswig-Holstein zuständig. Der 51-Jährige hat das Amt von seiner Vorgängerin Renate Schnack übernommen. Im Interview mit der deutschsprachigen Zeitung in Sønderjylland, dem „Nordschleswiger“, spricht Callsen über seine neue Aufgabe.

Was denken Sie: Warum hat Ministerpräsident Daniel Günther gerade Sie gebeten, das Amt des Minderheitenbeauftragten zu übernehmen?

Gute Frage, da müssen Sie ihn einmal selbst fragen (lacht). Aber tatsächlich habe ich mich sehr gefreut, als ich gebeten wurde, die Aufgabe zu übernehmen. Bislang wurde ich in Kiel hauptsächlich als Wirtschaftspolitiker wahrgenommen, unter anderem als wirtschaftspolitischer Sprecher. Mein politischer Lebenslauf hat jedoch in der Kulturarbeit angefangen und seit 2005 sitze ich im Nordschleswig-Gremium.

Die Situation der Nordschleswiger und die Themen aus dem Grenzland sind mir also vertraut.

Der Hauptvorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, hat Ihnen zu Ihrem Amtsantritt gratuliert und gesagt, Sie müssten „nun den eigenen Weg finden“. Welche eigenen Schwerpunkte wollen Sie als Minderheitenbeauftragter setzen? Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Ich habe mich über die Glückwünsche aus Nordschleswig, von Hinrich Jürgensen und Uwe Jessen (BDN-Generalsekretär), sehr gefreut. Mit ihnen habe ich im Nordschleswig-Gremium bereits eine gute Zusammenarbeit erlebt. Wichtig ist mir, dass wir in der Minderheitenpolitik Kontinuität bewahren. Ein weiteres Thema, das mir wichtig ist: Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit über die kulturelle Zusammenarbeit hinaus, auf wirtschaftlicher Ebene auszubauen. Wichtig ist mir, dass die Pendlerberatung weiterhin ihre gute Arbeit weiterführen kann, die sie in Pattburg leistet.

Innerhalb des Gesundheitssystems war die vorhandene Grenze zwischen den beiden Systemen derart groß, dass die Strahlenbehandlung für dänische Krebspatienten in Flensburg im vergangenen Jahr eingestellt werden musste. Zu unwirtschaftlich für die Region Süddänemark. Was wollen Sie tun, damit solche Grenzen überwunden werden können?

In diesem Fall wurde deutlich, dass die unterschiedlichen Abrechnungsmodalitäten der beiden Gesundheitssysteme zu weit voneinander entfernt waren. Dabei ist es wichtig, die Fachkompetenzen grenzüberschreitend zu nutzen. An diesem Beispiel kann man verdeutlichen, dass es zwischen Deutschland und Dänemark noch einige Baustellen gibt. Da gilt es, dicke Bretter zu bohren.

Im Gegenteil zu Renate Schnack, die das Amt der Minderheitenbeauftragten ehrenamtlich ausgeführt hat, sind Sie CDU-Abgeordneter des Landtages. Wie viel Zeit werden Sie auf die Minderheitenarbeit verwenden können?

Das Amt wird schon ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein. Ich habe zwar meinen Wahlkreis in der Grenzregion, den ich betreuen werde, aber wir haben besprochen, dass ich mich aus der täglichen Fachpolitik zurücknehmen kann. Als Minderheitenbeauftragter werde ich in enger Anbindung an die Staatskanzlei und den Ministerpräsidenten arbeiten. Und nicht zuletzt ist es für das Amt an sich wichtig, dass ich parteipolitisch neutral agiere.

Sie nannten Ihre Anfänge in der politischen Kulturarbeit. Wie sahen die aus?

Zunächst einmal war ich schon früh an Heimat und Familiengeschichte interessiert. Als Jugendlicher habe ich auf unserem Familiensitz Heimat- und Familienforschung betrieben und in unserer Scheune ein Museum eingerichtet. Damals gab es eine Überschrift „Deutschlands jüngster Museumsdirektor ist 14.“ Den Zugang zu Geschichte und Entwicklung des Grenzlandes fand ich also persönlich schon immer sehr spannend.

Ich war zehn Jahre lang Vorsitzender der Kulturstiftung des Kreises Schleswig-Flensburg, dabei gab es viele Berührungspunkte zu den Einrichtungen der dänischen Einrichtungen in Südschleswig. Und nicht zuletzt haben wir in der Kreispolitik über den Zusammenschluss Region Sønderjylland-Schleswig die grenzüberschreitende Kulturarbeit unterstützt und mitgestaltet.

Was werden die ersten Tätigkeiten für Sie sein?

Zunächst freue ich mich auf meine Antrittsbesuche, die derzeit in Planung sind. Ich hoffe, dass ich schon in den nächsten Wochen die Minderheitenvertreter von Friesen, dänischen Südschleswigern, deutschen Nordschleswigern und den deutschen Sinti und Roma treffen werde.

von
Günter Schwarz – 09.07.2017