Architekt Jørn Utzon
Der dänische Architekt Jørn Utzon wird am 14. Juli 1998 aus Anlass des Baus der Oper in Sydney geehrt.

Jørn Oberg Utzon gehört zu den bekannsten und wichtigsten dänischen Architekten. Im Jahr 2003 erhielt er für sein Schaffen den Pritzker-Preis. Weltweit bekannt ist er für das Sydney Opera House, das er entworfen hat und das eines der bekanntesten Gebäude der Welt ist. Im Jahr 2007 wurde das Opernhaus zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Damit war Utzon die zweite Person in der Welt, der eine derartige Ehre noch im Leben zuteil wurde.

Jørn Utzon, geboren 9. April 1918 in København, war der Sohn des Yachtkonstrukteurs Aage Utzon, und seiner Ehefrau Estrid Utzon. Er hatte noch einen älteren Bruder namens Leif. Jørn besuchte in einer Privatschule den mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig. Jedoch war er nur ein recht mittelmäßiger Schüler, dessen Leistungen in der Mathematik sogar ausgesprochen schlecht waren.

1930 besuchte die Familie Utzon in Stockholm die Architektur- und Designmesse Stockholmsutställingen. Dort wurden leichte, helle Möbel und das Konzept von Luft und Licht vorgestellt. Die Familie stellte daraufhin ihre gesamte Lebensweise um, entfernte zugunsten leichter, praktischer Einrichtungsgegenstände die düsteren viktorianischen Möbel aus dem Haus und stellte die Ernährung auf leichte, gesunde Kost um. Die Kinder bekamen Fahrräder geschenkt, damit sie sich an der frischen Luft bewegen konnten.

Jørn half seinem Vater beim Anfertigen von Konstruktionszeichnungen und Modellen. In den 1930er-Jahren lernte er den Künstler Poul Schrøder kennen, der ihn das Zeichnen mit Kohlestiften lehrte.

Nach der Schule wollte Jørn Utzon zunächst die Offizierslaufbahn bei der Marine einschlagen, wurde jedoch wegen zu schlechter Noten nicht an der Offiziersschule angenommen. So begann er 1937 ein Studium der Architektur in København und wurde 1942 Mitarbeiter von Paul Hedqvist in Stockholm. 1946 arbeitete er für ein halbes Jahr bei Alvar Aalto. Danach lebte er eine kurze Zeit bei Frank Lloyd Wright in Taliesin und bereiste Mexiko und Europa.

1950 gründete Jørn Utzon sein eigenes Architekturbüro in København. Er machte sich dort mit Wohnhäusern einen Namen, unter anderem seinem eigenen, 1952 errichteten Haus, ferner mit der 1958–1960 errichteten Gartenhofhaus-Wohnanlage „Kingo“ in Helsingør und der 1962–1963 erbauten Reihen- und Gartenhofhaus-Siedlung in Fredensborg. Auch der 1950 in Svaneke auf Bornholm errichtete Wasserturm stammt von ihm.

1957 wurde er mit einem Schlag berühmt, als er den Wettbewerb zur Gestaltung des Opernhauses in Sydney gewann. Dieser Erfolg brachte Utzon weltweites Ansehen und Aufträge ein. So wurde er beispielsweise 1963 mit dem Bau der Melli-Bank in Teheran betraut. Es folgten 1967 ein Stadion in Saudi-Arabien, 1976 die Bagsværd-Kirche in København und 1972–1987 das Parlamentsgebäude in Kuwait, das er gemeinsam mit seinem Sohn Jan anging.

Sein berühmtestes Bauwerk hingegen, die Oper in Sydney, schien zunächst in einem persönlichen Misserfolg zu enden: Das zunächst veranschlagte Budget von 3,5 Millionen US-Dollar reichte bei weitem nicht aus, um die statisch anspruchsvolle Dachkonstruktion und die ausgeklügelte Inneneinrichtung zu finanzieren. Als die Kosten 57 Millionen Dollar erreichten, forderte Robert Askin, der Premierminister des Bundesstaats New South Wales, ein Ende der unabsehbaren Kostensteigerungen. Als Jørn Utzon sich weigerte, einer billigeren Kompromisslösung für die Innenausstattung zuzustimmen, wurde er 1966 aus dem Projekt ausgeschlossen. Eine Gruppe junger australischer Architekten sowie ein Team aus Ingenieuren um Ove Arup brachten das Werk zu Ende. Utzon war überzeugt, dass die getroffenen Kompromisse das Werk ruinieren würden und bei der Eröffnung gaben ihm Kritiker und Künstler teilweise Recht. Man klagte über allgemeine Enge, zu kleine Säle, zu steile Treppen, und vor allem über erbärmliche Akustik. Die Funktionalität der Innenräume werde dem großartigen Äußeren in mancher Hinsicht nicht gerecht, so die Kritiker.

Jørn Utzon hat nach seiner Entlassung aus dem Opernhausprojekt nie wieder australischen Boden betreten, was ursprünglich an der von ihm empfundenen Schmach lag. Seit den 1990er-Jahren nahm er allerdings eine versöhnlichere Haltung ein, doch nun waren es Alter und Gesundheit, die verhinderten, dass der Architekt sein Meisterwerk erstmals vollendet in Augenschein nehmen konnte und am 14. Juli 1998 für sein Werk geehrt wurde.

Jørn Utzon lebte zuletzt zurückgezogen in einem der zwei außergewöhnlichen, von ihm selbst konstruierten Häuser auf Mallorca. Sein Privatleben schirmte er konsequent von der Öffentlichkeit ab. Lediglich 1998, zu seinem 80. Geburtstag, machte er eine Ausnahme und gab dem australischen Fernsehen ein Exklusivinterview.

Utzon starb am 29. November 2008 im Alter von 90 Jahren in einem Pflegeheim nördlich von København, nachdem er sich von einer Operation wenige Monate zuvor nicht mehr erholt hatte.

von

Günter Schwarz – 14.07.2017