Sechs Monate ist US-Präsident Donald Trump im Amt, in denen er inzwischen schon drei Auslandreisen absolviert und dabei etliche seiner Amtskollegen getroffen hat. Wo hat er sich Freunde geschaffen, und wo hat er sich Feinde gemacht? Und wo ist man in erster Linie über den schwer einzuschätzenden US-Präsidenten verunsichert?

Trumps Freunde

Saudi-Arabien: König Salman und Kronprinz Mohammed sind angetan von Donald Trump. Und er von ihnen. So eindeutig wie Trump hat sich schon lange kein US-Präsident mehr auf die Seite Saudi-Arabiens gestellt.


Donald Trump mit König Salman
Allerdings: Die Harmonie dürfte zumindest ein bisschen getrübt werden. Denn Washington kann sich keine Dauerfehde unter den Golfstaaten erlauben. Um den aktuellen Streit mit Katar zu beenden, werden auch die Saudis ein Stück weit nachgeben müssen.

Israel: Benjamin Netanyahu ist vor allem erleichtert, weil Barack Obama weg ist. Für den israelischen Regierungschef konnte es nur besser werden. Zwar hat sich weniger Obama von Israel wegbewegt als vielmehr Netanyahu von den USA, aber so oder so: Einstweilen steht das diplomatische Barometer auf heiter.


Donald Trum mit Benjamin Netanjahu
Russland: Trump und der russische Präsident Wladimir Putin scheinen sich persönlich zu verstehen, wie es das Treffen der beiden Politiker während des G20-Gipfels in Hamburg zeigte. Das Verhältnis der Großmächte könnte sich also verbessern – sollte man meinen. Bloß ist nirgendwo sonst in der US-Außenpolitik die Sichtweise des Präsidenten derart anders als jene der republikanischen Mehrheit im Kongress und des Pentagon wie hier. Fragt sich also, wer am Ende die amerikanische Russlandpolitik bestimmt? Ist es Trump oder sind es seine Minister und der Kongress? Und die Russland-Verstrickungen seines Umfelds und Wahlkampfteams dürften noch lange für saftige Schlagzeilen sorgen und Trumps Präsidentschaft belasten. Zu seinem „Watergate“ werden sie indes kaum, wie es derzeit aussieht.


Donald Trump mit Vladimir Putin
Trumps Feinde

Iran: Teheran ist wieder Washingtons Erzfeind – und umgekehrt. In dieser Einschätzung weiß Trump auch die meisten Republikaner hinter sich. Eine Annäherung ist also nicht zu erwarten und abzusehen. Die Zeichen stehen weiterhin auf Konfrontation, nicht unbedingt militärisch, sicher aber politisch.

Mexiko: Trump ging schon im Wahlkampf auf Konfrontationskurs mit dem südlichen Nachbarn der USA. Stichworte: Mauerbau, Außenhandel. Inzwischen wird die Suppe freilich nicht mehr ganz so heiß gegessen, wie sie gekocht wurde. Das gegenseitige Verhältnis hat sich von offen feindselig auf deutlich distanziert verbessert. Und die Mauer wird wohl nie gebaut und sicher nicht von Mexiko bezahlt werden.

Die Skeptiker

Deutschland: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel misstraut Trump. In ihren Augen sind die USA unter ihm vorläufig kein verlässlicher Partner mehr.


Donald Trump mit Angela Merkel
Man kann sich schwer vorstellen, dass diese beiden höchst unterschiedlichen Figuren der Weltpolitik tatsächlich den Draht zueinander finden.
Frankreich: Präsident Emmanuel Macron und Trump haben zwar eben am vergangenen „Quatorze Juillet“ (14. Juli) eine überaus enge Partnerschaft zelebriert.


Donald Trump mit Emmanuel Macron
Beiden nützt im Moment die gemeinsame Selbstdarstellung als Weltpolitiker. Inhaltliche Gemeinsamkeiten bleiben hingegen rar. Der Ton dürfte durch realpolitische Erfordernisse schon bald wieder rauer werden.

China: Trumps verbale Hiebe gegen Peking waren primär Wahlkampf. Inzwischen sind auch pragmatische Töne zu hören. Man hat den Eindruck, dass die Führung in Peking und jene in Washington einander abtasten. Aber jederzeit willens wären, Schwächen der Gegenseite auszunutzen. Das Verhältnis zwischen den beiden mächtigsten Ländern der Welt wird angespannt bleiben, die Konflikte zahlreich: Nordkorea, südchinesischen Meer, Handelspolitik, Währungspolitik. Der Vorteil liegt bei China, denn dort weiß man, was man will, in Washington weniger.


Donald Trump mit Xi Jinping
Der Gesamteindruck

Donald Trump hat die USA außenpolitisch bisher weder profiliert noch positioniert. Auf sehr vielen Themenfeldern bleibt völlig unklar, was er will. Und ob er es selber weiß. Klarer ist, was Trump nicht will: das UNO-Klimaabkommen etwa oder Zuwanderer. Trumps Hüh und Hott in Washington schadet den USA, deren relatives Gewicht in der Welt ohnehin schwindet. Die Trump-Präsidentschaft scheint außenpolitisch zu einer Präsidentschaft der Schwäche zu werden.

von

Günter Schwarz – 18.07.2017