(Ankara / Berlin) – Bereits am Mittwoch hat eine vermeintliche „schwarze Liste“ der Türkei, in der deutsche Firmen und Einzelpersonen der Terrorunterstützung bezichtigt werden, für Aufruhr gesorgt. Am Freitag weitete sich die Affäre aus: Statt der im Vorfeld kolportierten 68 sollen 681 Unternehmen auf der Liste stehen, so das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. In der ohnehin angespannten Lage zwischen der Türkei und Berlin sorgen die Berichte für weiteren Unfrieden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan dementierte jegliche Ermittlungen wegen Terrorunterstützung und sprach von „böser Propaganda“. Doch wie die „Zeit“ bereits am Mittwoch berichtet hatte, soll die türkische Regierung schon vor Wochen die Liste an die deutschen Behörden übergeben haben. Auf ihr seien auch prominente Unternehmen wie Daimler und BASF verzeichnet gewesen. Die genannten Unternehmen sollen dem Bericht zufolge Verbindungen zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen haben. Die Türkei verfolgt die Gruppe als Drahtzieher des Putschversuchs 2016.

Das deutsche „Handelsblatt“ berichtete am Freitag unter Berufung auf Sicherheitsquellen, dass man zu der in dem Bericht genannten Zahl von 68 Verdächtigten „noch eine Null anhängen“ müsse, und es nahe der 700 Firmen und Einzelpersonen seien. Auch der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte am Donnerstag angedeutet, dass die Liste „noch viel länger“ sei. Laut den Sicherheitskreisen sind die Vorwürfe „wenig konkret“, die Voraussetzungen für eine polizeiliche Bearbeitung sind daher nicht gegeben.

Erdoğan weist Berichte zurück

Laut dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sind die Berichte über die Liste oder Ermittlungen gegen deutsche Firmen falsch. Solche „böse Propaganda“ solle nur dazu dienen, Druck auf deutsche Firmen auszuüben und international für Verunsicherung zu sorgen, sagte Erdoğan am Freitag. Die Ansprache in Istanbul fand einen Tag nach Gabriels Ankündigung statt, Deutschlands Türkei-Politik neu ausrichten zu wollen.

von

Günter Schwarz – 22.07.2017