(Barcelona / Washington) – Nach vielen teilweise sich widersprechenden Meldungen über die Zahl der Opfer an Verletzten und Toten in Barcelona und zu Hintergründen zu der verabscheuungswürdigen Tat ist Zurückhaltung in Bezug auf Mutmaßungen geraten. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamiert den Anschlag laut ihrem Sprachrohr „Amak“ zwar für sich, aber bewiesen ist dieses bislang durch nichts.

Insofern sollte man die Ermittlungsarbeit der spanischen Polizei der nächsten Tage und gar Wochen abwarten, ehe es zu Schuldzuweisungen kommt. Sicher weist das Vorgehen des oder der Attentäter aus vergangenen Taten in London, Brüssel, Paris, Berlin usw. auf einen islamistischen Hintergrund mit oder ohne IS-Beteiligung hin, aber dennoch sei vorerst Zurückhaltung angeraten, und es sollte darauf verzichtet werden, alle Menschen muslimischen Glaubens als potentielle Attentäter anzusehen – denn das sind sind weiß Gott oder weiß Allah nicht!

In seiner ersten Reaktion auf den Terroranschlag in Barcelona gab sich US-Präsident Donald Trump noch ganz staatsmännisch. Kurz darauf stellte er einmal mehr unter Beweis, dass ihm das nötige Feingefühl fehlt.

Nahezu alle Regierungen bzw. deren Chefs sandten der spanischen Regierung und des Königshauses nach dem Bekanntwerden des Attentats Beleidsmitteilungen mit – so auch der amerikanische Populisten-Präsident Donald Trump in der ihm eigenen Art, die wahrlich ernstlich Zweifel an seinem Geisteszustand zulassen.

„Die Vereinigten Staaten verurteilen die Terror-Attacke in Barcelona und werden alles tun, was nötig sei, um zu helfen“, twitterte Donald Trump in einer ersten Reaktion auf das Auto-Attentat in der katalanischen Metropole Barcelona. Wenig später empfahl der US-Präsident auf Twitter dann, im Kampf gegen Terrorismus die Methoden von General John Pershing zu studieren.

Dieser soll – einer bereits mehrfach widerlegten Legende nach – auf den Philippinen 50 muslimische Gefangene mit Projektilen exekutiert haben, die er zuvor in Schweineblut getaucht hatte. Mit dem Blut der für gläubige Muslime unreinen Tiere wäre ihnen der Weg ins Paradies versperrt gewesen. „Danach gab es 35 Jahre keinen islamistischen Terror mehr!“, schrieb Trump.

Der US-Präsident hatte diese Legende bereits in seinem Wahlkampf 2016 zitiert. Laut Historikern gibt es keinen Anhaltspunkt für die Wahrheit der Geschichte um General Pershing, die sich angeblich in den Jahren der Moro-Rebellion (1899-1913) im Süden der Philippinen auf der Insel Mindanao zugetragen haben soll.

In zahlreichen Reaktionen auf Trumps Tweet hieß es in US-Medien am Donnerstag, während die Welt sich noch über das Attentat in Barcelona geschockt zeige und um die Toten und Verletzten trauere, verweise der Präsident der Vereinigten Staaten schon auf eine Lüge der Geschichte, in der die Exekution Gefangener glorifiziert werde.

von

Günter Schwarz – 18.08.2017