Wenn man aus dem Fenster schaut, sieht das Wetter zwar noch nicht ganz nach Weihnachten aus; viel Lust eine Strandtasche zu packen, hat man allerdings auch nicht. Man beginnt, sich sehr alt zu fühlen, wenn man sich an Zeiten erinnert, in denen man es nicht erwarten konnte, aus der Schule nach Hause zu kommen, um dann mit Freunden den ganzen Tag am „Dörpsee“ zu verbringen.

Ich erinnere mich auch gern an meine Grundschultage in Flensburg. Wie groß war die Freude, wenn man heimkam und die Mutter eine Strandtasche gepackt hatte – mit vielen Leckereien und Erfrischungen… für einen Tag am Strand von Solitüde. Diese Zeiten scheinen nun endgültig vorbei. Nicht, weil wir älter geworden sind, sondern weil das Klima einen anderen Plan zu haben scheint. Also keine Familienausflüge mehr an den Strand oder Nachmittage mit dem Schlitten auf Rodelbahnen. Diese Dinge haben unsere Kindheit erlebenswert gemacht.

Heute werfen wir der Jugend gern vor, zuviel Zeit vor Fernsehen und Computern zu verbingen. Dabei vergisst man unter Umständen, das wir es sind, die diesen Klimawandel zu verantworten haben. Ich erinnere mich mit Unlust daran, dass das Thema „Klima“ einen großen Teil des Geografie-Unterrichts in der 6ten Klasse eingenommen hat. Und das ist nun schon eine ganze Weile her. Wir können also nicht behaupten, wir hätten ja nichts gewusst!

Es bleiben unsere Strände und Seen. Orte, an denen man auch bei „Wind und Wetter“ Kraft schöpfen kann. Man kann über Nord- und Ostsee schauen, herrliche Spaziergänge machen … sich den Wind und Regen um die Nase wehen lassen. Aber ein „Ersatz“ ist das wirklich nicht. Und ganz besonders nicht für Kinder. Wenn wir also unsere Kleinen mal wieder dafür tadeln, nicht so aktiv zu sein: die Zeiten haben sich geändert und irgendwann werden sich unsere Kinder an gemütlich verregnete Nachmittage erinnern, an denen sie mit ihren Freunden stundenlang Computer gespielt haben.

Die Nostalgie der Erinnerungen ist sehr abhängig von unserer Umwelt. Wir haben unsere Umwelt zerstört. Mit dummen Entscheidungen und rücksichtsloser Umweltpolitik. Nun, vielleicht machen es unsere Kinder ja besser. Und dann wird auch irgendwann mal wieder eine Mutter eine Strandtasche packen, um mit ihren Kindern einen Tag am Strand von Solitüde oder an anderen Stränden zu verbringen. Das macht zuversichtlich.

Michael Schwarz, 18. Aug. 2017