Die Skulptur der „Den lille Havfrue“ (Die kleine Meerjungfrau) des Bildhauers Edvard Eriksen, ohne die die dänische Hauptstadt København für viele Menschen kaum noch denkbar ist, wird am 23. August 1913 an der Uferpromenade der Langelinie in Københavns Hafen aufgestellt.

Die kleine Meerjungfrau (Den lille Havfrue) ist ein Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen von 1837, das auf der Sage der Undine basiert. Mit ihrer Höhe von nur 125 cm zählt die auf einem Findling an der Uferpromenade Langelinie sitzende Bronzefigur zu den kleinsten Wahrzeichen der Welt.

Københavns Bildhauer Edvard Eriksen (1876–1959) schuf die 1913 aufgestellte Skulptur „Kleine Meerjungfrau“, die schnell zum Wahrzeichen Københavns werden sollte. Der Künstler ließ sich von der Figur der „Jeanne d’Arc“ von Henri Michel Chapu in der „Ny Carlsberg Glyptotek” inspirieren. Den Kopf gestaltete er nach dem Vorbild der Primaballerina Ellen Price (1878–1968), die 1909 in København als Hauptdarstellerin eines Balletts gleichen Namens sehr beliebt war. Der Körper wurde nach dem Vorbild seiner Ehefrau Eline (1881–1963) geschaffen, da Price es abgelehnt hatte, dem Künstler als Aktmodell zu dienen.

Auftraggeber war der Kunstmäzen und Sohn des Firmengründers der in København ansässigen Carlsberg-Brauerei, Carl Jacobsen. Am 23. August 1913 wurde eine Kopie der 175 kg schweren Figur an ihrem heutigen Platz, der von Henrik August Flindt und Vilhelm Dahlerup geschaffenen, 1900 fertiggestellten Uferpromenade Langelinie aufgestellt. Das Original wird von den Nachfahren Eriksens an einem unbekannten Ort aufbewahrt.

2009 wurde die Skulptur Survival of the Fattest neben ihr aufgestellt. Ende März 2010 wurde die Figur von ihrem Stammplatz von Københavns Hafen kurzzeitig entfernt und begab sich auf die Reise nach China, wo sie von Mai bis Oktober im dänischen Pavillon der Expo in Shanghai gezeigt wurde. Im Anschluss an die Austellung kehrte sie an ihren angestammten Platz zurück.

Immer wieder wurde die Statue Opfer von Zerstörungen und Verunstaltungen. So wurden der Kopf (24. April 1964), der rechte Arm (22. Juli 1984) und wieder der Kopf (6. Januar 1998) abgesägt; auch wurde die Figur, wahrscheinlich mit Hilfe von Sprengstoff, vom Felsen gestürzt (11. September 2003). Die Skulptur wurde immer wieder restauriert und gegebenenfalls ergänzt, wozu auch eine der beiden noch vorhandenen originalen Gipsfiguren herangezogen wurde. Im März 2007 fand eine Sprühattacke mit rosa Farbe während einer Demonstration statt. Im Frühjahr 2017 war die Meerjungfrau gleich zweimal Opfer eines Farbanschlags. Zuerst sprühten Sprayer „Dänemark, verteidige die Wale der Färöer Inseln“, um somit auf die Waltötung vor den Färöern aufmerksam zu machen. Zwei Wochen später malten Unbekannte die Skulptur blau und weiß an. In Bodennähe fand sich ein Statement mit der Aufschrift „Befri Abdulle“ (Befreit Abdulle).

von

Günter Schwarz – 23.08.2017